An den Bondmärkten sind Turbulenzen vorprogrammiert
Die seit 1982 laufende Hausse an den internationalen Bondmärkten neigt sich dem Ende zu. Sinkende Zinsen und steigende Bondkurse prägten das Bild an den Anleihenmärkten in den vergangenen drei Jahrzehnten. In den zurückliegenden Wochen hat sich dies jedoch grundlegend geändert. Rund um den Globus sackten die Anleihenkurse in die Tiefe, die Renditen zogen sprunghaft an. In den vergangenen vier Wochen zogen die Renditen für 10-jährige deutsche Bundesanleihen um einen Prozentpunkt an. Die Gründe für die Wende sind vielfältig: Abnehmende Deflationsängste in Europa, eine anziehende Weltwirtschaft, wie die US-Arbeitsmarktdaten vergangenen Freitag zeigten, Spekulationen über einen bevorstehenden Zinsschritt der US-Notenbank Fed. Das zweite Quartal 2015 dürfte nach den zwei grossen Verkaufswellen das Schwächste seit mindestens fünf Jahren werden.
Der Auslöser für die jüngsten Turbulenzen ist EZB-Chef Mario Draghi. Er hatte vergangene Woche im Rahmen einer Pressekonferenz gesagt, dass die Akteure mit höheren Schwankungen selbst klarkommen müssten, und die werde es geben. Die EZB werde allen Bewegungen zum Trotz nicht einschreiten, sondern an ihrer Politik unbeirrt festhalten.
Unsicherheit auch bei erfahrenen Profis
Laut Daten der Investment Bank Merrill Lynch habe Draghi mit seinen Aussagen Wertverluste von USD 600 Milliarden provoziert. „Draghi hat mit seinen Äusserungen grünes Licht für weitere Turbulenzen an den Bondmärkten gegeben“, heisst es von der japanischen Bank Nomura. „Die Turbulenzen versetzen mich in Angst und Schrecken“, sagte Bill Gross in einem Interview. Gross galt und gilt als einer der wichtigsten Anleiheninvestoren weltweit. “Das Vertrauen in den Bondmarkt ist erst mal weg“, bilanzierten die Analysten der KBC Bank.
Die EZB hatte mit der Ankündigung des milliardenschweren Wertpapierkaufprogramms dafür gesorgt, dass viele Anleger geglaubt haben, dass die Renditen dank des Grosskäufers gar nichts anderes tun könnten, als zu fallen. Eine Sichtweise, die sich zunächst auch bewahrheitete. Nun muss jedoch umgedacht werden. Inves-toren müssen sich darauf einstellen, dass sich die Stabilität der letzten Jahre an den Bondmärkten langsam auflöst und unruhigeren, volatileren Zeiten weicht. Für viele eine ausserordentliche Erfahrung. Die letzte kleine Zinswende liegt bereits elf Jahre zurück; die letzte grosse, strukturelle Zinswende schwappte in den frühen 1950ern über die Märkte. Wir rechnen mit deutlichen Verlusten in den Bondportfolios.
Konklusion:
Die Turbulenzen an den Bondmärkten nimmt mehr und mehr die Form einer Zinswende an. Anleger müssen sich an den Anleihenmärkten auf unruhige Zeiten einstellen.
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