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UBS-Debakel: Auch die Mitarbeiter hat‘s erwischt!

steuern-und-vorsorge-21

Mitarbeiterbeteiligungsprogramme I:
Grundlagen und Vorteile

In den vergangenen Wochen erlebte die Welt einen eigentlichen Kollaps des Finanzsystems. Hunderte von Milliarden an Kapital sind an den Börsen geradezu pulverisiert worden. Die Welt der Finanzinstitute ist in ihren Grundfesten erschüttert worden; etablierte Player wie Lehmann Brothers in den USA gingen Pleite oder konnten, wie die vormals „bestkapitalisierte“ UBS, nur noch mit Staatshilfe weiter überleben. Anders wäre ihre Kreditwürdigkeit gegenüber anderen Finanzinstituten (Interbankenhandel) wie gegenüber dem Publikum nicht mehr zu gewährleisten gewesen. Trotzdem sind etwa bei der letzteren zwischenzeitlich an die 100 Milliarden Franken an Kundengeldern zu Konkurrenzinstituten, insbesondere zu solchen mit einer Staatsgarantie, abgeflossen. Anlagekunden (nicht nur der UBS) sowie speziell die in Bankentitel Investierten erlebten eine Schockwelle wohl historischen Ausmasses. Die im Einzelfall realisierten Kapitalverluste sind massiv. Aber auch die Mitarbeiter der Banken – wiederum am Ausgangsbeispiel, dem aktuellen „Prügelknaben“ UBS – wurden und werden durch die Finanzkrise an die Grenze der Belastbarkeit geführt. Von der täglichen Anstrengung, die aufgebrachten Kunden zu beruhigen und bei der Stange zu halten, wollen wir hier gar nicht sprechen. In persönlicher Hinsicht kommen nun neben der durchaus berechtigten existenziellen Angst um den Arbeitsplatz erhebliche finanzielle Verluste, wegen in den letzten Jahren erhaltenen Mitarbeiterbeteiligungen am Arbeitgeber, hinzu. Dabei handelt es sich hier in aller Regel nicht etwa „nur“ um eine drastische Tieferbewertung von investiertem Kapital, sondern um Verluste auf der wirklich ans Lebendige gehenden Einkommensseite.

Insbesondere Kadermitarbeiter mit Risikoexposition (Trading, Investment Banking etc.) und mit Kundenverantwortung sind in den vergangenen Jahren tatsächlich einerseits immer stärker mit dem Wohlergehen „ihrer“ Unternehmung auch finanziell verflochten worden. Zum anderen wurde die Höhe der Saläre immer mehr von der individuell gezeigten Leistung abhängig gemacht. Dabei erfolgte die Ausrichtung dieser „flexiblen“ Lohnkomponente – entspricht dem Reizwort „Bonus“ – weniger als Bargeld, als vielmehr in Form von Beteiligungen am Arbeitgeber. Diese fand bis heute zumeist in Form von Aktien oder durch auf längere Zeit (meist ca. 3 Jahre) gesperrte (Call-)Optionen statt. So besassen wiederum bei unserem Beispiel UBS gemäss Geschäftsbericht über die Hälfte der mehr als 80‘000 Mitarbeiter Aktien des eigenen Unternehmens. Sie hielten damit circa 7% des Aktienkapitals. Im Zeitpunkt des Höchstkurses der UBS-Aktie im Juli 2007 von etwas über CHF 80 erreichte dieser Mitarbeiter-Block einen Wert von über CHF 11 Milliarden. Gerade eben hat die Aktie Tiefststände von unter CHF 15 gesehen, was einem Vermögensverlust von über 80% oder CHF 9 Milliarden entspricht. Die Aktien erhielten die Mitarbeiter entweder als Salär oder im Zuge von freiwilligen Beteiligungsprogrammen. Mit diesen wurden Anreize geschaffen, dass letztendlich mehr als die Hälfte der UBS-Mitarbeiter noch zusätzlich Firmenaktien kauften. Eine wichtige rechtliche Konsequenz hier ist zunächst, dass sämtliche derartige Aktienbezüge oder Boni auf Vertragsrecht (Arbeitsrecht etc. ) beruhen und – widerrechtliche Erlangung einmal vorbehalten – wohl kaum rückwirkend zurückverlangt werden können; und zwar weder von der Unternehmung, noch von erbosten Investoren oder von der aufgebrachten Allgemeinheit.

An dieser in allen grösseren Schweizer Unternehmen gesehenen Entwicklung einer verstärkten finanziellen Einbindung der Mitarbeiter kann wohl kaum grundsätzlich Kritik geübt werden. So sind doch die positiven Seiten dieser Mitarbeiterbeteiligungen an einer Unternehmung sowohl für den Unternehmer (Aktionär) wie für die Salärempfänger und sogar für die Allgemeinheit durchaus nachvollziehbar. Die Aktionäre profitierten in den fetten Jahren von einer fulminanten Entwicklung des Börsenwerts ihrer Unternehmung, zurückzuführen nicht zuletzt auch auf den Einsatz der hoch motivierten und mit der Firma verbundenen Mitarbeiter. Diese verdienten ihrerseits gutes bis sehr gutes Geld, welches ihnen einen hohen Lebensstandard und eine hohe Kaufkraft einräumte sowie ein grosses soziales Prestige gewährte.

Im nächsten Advisor wird nun auf die Kehrseite der Geschichte eingegangen und von den Risiken, den Fehlentwicklungen und den teilweise desaströsen finanziellen Konsequenzen der nun wohl ausklingenden Finanzkrise für die einzelnen Mitarbeiter berichtet.