Syngenta steht erneut im Zentrum von Übernahme- bzw. Fusionsspekulationen. Gemäss amerikanischen Medienberichten führt der Schweizer Agrochemie-Konzern mit dem US-Wettbewerber Dupont Gespräche über einen möglichen Zusammenschluss. Erst vor wenigen Wochen hatte Syngenta den Übernahmeversuch von Monsanto erfolgreich abgewehrt. Allerdings kam die abwehrende Haltung des Syngenta-Managements bei den Aktionären nicht gut an. Monsanto hatte CHF 449 pro Aktie geboten – aktuell notiert das Papier von Syngenta mit CHF 350 deutlich unter dem damaligen Angebotspreis.
Zwar stieg der Titel von Syngenta als Reaktion auf die Gespräche deutlich. Aber Investoren sollten dem neuerlichen Rückenwind aus unserer Sicht mit grösster Vorsicht begegnen. Denn die gesamte Branche ist in Bewegung. So verhandelt Dupont gegenwärtig auch mit dem US-Chemieriesen Dow Chemical über einen Zusammenschluss; bei Dow Chemical selbst steht seit Monaten die Forderung im Raum, die Agrochemiebranche abzuspalten. Derzeit scheint in der Branche jeder mit jedem zu reden. Es besteht Handlungsdruck: Das hochprofitable Geschäft ist rückläufig, der brasilianische Markt schwächelt und die Nahrungsmittelpreise fallen. Wir gehen davon aus, dass in der hochkonzentrierten Branche eine Konsolidierungswelle ansteht, an deren Ende die Zahl der massgeblichen Akteure von sechs (Monsanto, Dupont, Dow Chemical, Syngenta, BASF, Bayer) auf vier zurückgehen könnte. Fast alle Konzernchefs hatten sich in den zurückliegenden Monaten dahingehend geäussert, dass sie den Markt genau beobachteten und sich ergebende Möglichkeiten nutzen wollten. Die Chancen für eine neue Konsolidierungswelle standen lange Zeit nicht so gut wie derzeit. Die sechs grossen Spieler vereinen gut 70% des globalen Marktes für Pflanzenschutzmittel und Saatgut auf sich. In den vergangenen gut zehn Jahren haben sie ihre kumulierten Umsätze auf gut USD 70 Milliarden fast verdoppelt und den Gewinn überproportional gesteigert. Im Schnitt kletterte die Ebit-Marge in dieser Zeit von 13% auf 20%, wobei sich diese im laufenden Jahr wieder verringern dürfte. Allerdings war die Entwicklung keineswegs homogen: Denn während Spitzenreiter Monsanto auf eine Ebit-Marge von 26% kommt, hinkt Syngenta mit gut 14% deutlich hinterher; zumal die Schweizer auch punkto Wachstum in den zurückliegenden Jahren nur teilweise mithalten konnte. Das hat den Schweizer Konzern angreifbar gemacht.
Konklusion:
Die Branche ist in Bewegung, was an den Aktienmärkten in den kommenden Monaten zu kräftigen Kursbewegungen führen dürfte. Dennoch müssen sich Investoren darüber im Klaren sein, dass Übernahmen und Fusionen in der hochkonzentrierten Branche auf etliche kartellrechtliche Hürden stossen werden. So manche Fusionsfantasie dürfte sich daher wieder in Luft auflösen. Im Fall Syngenta halten wir einen Zusammenschluss mit Dupont für einen idealen Fit für beide Seiten. Nun muss die Konzernführung von Syngenta beweisen, dass sie nicht nur abwehren kann, sondern auch gestalten kann.