Börsenturbulenzen drücken die M&A-Dynamik nicht nachhaltig
2.3 Billionen US-Dollar haben Unternehmen weltweit für Übernahmen und Fusionen im ersten Halbjahr 2015 aufgewendet. Damit befindet sich der Markt auf dem besten Weg, die Rekordmarke von gut 4 Billionen US-Dollar aus dem Jahr 2007 zu übertreffen. Die M&A-Welle rollt dabei in allen Branchen, wobei die Wellenhöhe vor allem im Pharma- & Chemiesektor, in der US-Versicherungsbranche, in der Telekommunikation, im Gesundheitssektor und in der Technologiebranche besonders hoch ist. So übernahm beispielsweise Lockheed für USD 9 Milliarden den Helikopterhersteller Sikorsky, Verizon übernahm AOL, Hutchison Whampoa verleibte sich die britische Telefonica ein, Pfizer krallte sich Hospira und der US-Versicherer Anthem griff nach Wettbewerber Cigna.
In der Schweiz rumorte es lange Zeit um Syngenta. Der US-Wettbewerber Monsanto wollte den Konzern übernehmen, was jedoch in den Reihen der Schweizer auf wenig Gegenliebe traf. Mittlerweile hat der US-Konzern seine Bemühungen um Syngenta eingestellt, was an der Börse zu einem massiven Kursrückgang bei Syngenta (-18% innerhalb eines Tages) führte.
Seit 2014 wurden vier der fünf grössten Deals der vergangenen zehn Jahre unter Dach und Fach gebracht, allein drei davon in den vergangenen sechs Monaten. Die grösste Transaktion stellte mit rund 67 Milliarden Euro die im März 2015 abgeschlossene Übernahme des US-amerikanischen Botox-Herstellers Allergan durch den Pharmariesen Actavis plc dar. Die jüngsten Turbulenzen an den Börsen haben jedoch die Frage aufgeworfen, ob dieser Boom Bestand hat oder ob sich die Unternehmen nun etwas zurückhaltender in Sachen M&A-Tätigkeiten präsentieren? Grundsätzlich gehen wir davon aus, dass der Boom nicht abebben wird und 2015 ein Rekordjahr für die globalen M&A-Tätigkeiten wird – wobei wir einräumen, dass die Dynamik des ersten Halbjahres in der zweiten Jahreshälfte nicht aufrechterhalten werden kann. Vor allem in Asien und den USA verfügen die Unternehmen weiter über riesige Barreserven, die sie nutzen, um sich Wachstum zuzukaufen. Wir erwarten, dass die Cash-Komponente bei den kommenden M&As an Gewicht bekommen.
Insgesamt denken wir, dass die globalen M&A-Tätigkeiten noch nicht den Zenit erreicht haben. Darauf deutet auch der vom Zentrum für Europäische Wirtschaftsforschung berechnete M&A-Index hin. Dieser beläuft sich derzeit auf 127.3 Punkte und liegt damit noch deutlich unter dem Spitzenwert von 145.7 Zählern aus dem Jahr 2007.
Konklusion:
Vor allem in der Pharmabranche und im Versicherungssektor rechnen wir weiter mit einer hohen M&A-Dynamik. In Asien dürfte sich der Trend aufgrund der schwächelnden Konjunktur etwas abschwächen.
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