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Pharma wird zum Wahlkampfthema

Diskussionen über die Preismacht der Pharmamultis
In den USA entwickelt sich eine breite und kontrovers geführte Diskussion über die Preispolitik der Pharmamultis. Auslöser dieser Debatte war der ehemalige Hedge Funds Manager Martin
Shkreli, der heute ein kleines Pharmaunternehmen leitet und der über Nacht den Preis für ein uraltes Medikament um 5‘000% erhöht hatte. Ein lauter Aufschrei ging durch das Land – selbst die Präsidentschaftskandidatin Hillary Clinton wetterte gegen diese Preispolitik. Es ist Wahlkampfzeit in den USA und diese konsumentennahen Themen, wie jenes der überbordenden Preismacht der Konzerne, sind dann ein gefundenes Futter für die Präsidentschaftskandidaten. Zwar versprach Shkreli den Preis wieder zu senken, die Diskussion über die Preismacht der Pharmamultis ist jedoch geblieben und drückt gegenwärtig auf die Stimmung an der Börse. Dass sich auch die Schweizer Pharmakonzerne Novartis und Roche dem Abwärtssog nicht entgegenstemmen konnten, verwundert nicht. Der US-Markt ist für beide sehr wichtig.
Fakt ist, dass die Pharmakonzerne in den USA punkto Preisfestsetzung ein relativ freies Händchen geniessen. Denn während in Europa die Staaten die Medikamentenpreise auf Grundlage verschiedener Aspekte mehr oder weniger diktieren können, womit jährliche Preissteigerungen fast ausgeschlossen sind, setzen die Konzerne in den USA die Grosshandelspreise fest. Gemäss einer Untersuchung der UBS hat der US-Pharmakonzern Pfizer alleine in diesem Jahr die Preise für 133 Medikamente erhöht, bei Merck waren es 38. Die Analysten der CS kommen zudem in einer Studie zu dem Schluss, dass im vergangenen Jahr 80% des Gewinnwachstums der 20 grössten Firmen von höheren US-Preisen stammt. Auch europäische Pharmakonzerne nutzen diese Macht. Gemäss Recherchen des „Wall Street Journal“ sind die Preise für die 30 meistverkauften Arzneimittel in den USA zwischen 2010 bis 2014 um 76% gestiegen, die Zahl der Verschreibungen haben hingegen nur um 20% zugenommen. Als Folge ist der Umsatz dieser Präparate um 61% gestiegen. Der Preis von Glivec, ein Krebsmedikament von Novartis, ist zwischen 2010 bis 2014 um 101% geklettert, während die Verschreibungen nur um 2% zugenommen haben.
Die Diskussion um die Preismacht der Pharmakonzerne trifft die Branche unvorbereitet. Vor allem in Wahlkampfzeiten sind solche konsumentenorientierte Themen ein gefundenes Fressen. Wir gehen jedoch nicht davon aus, dass sich die US-Preisfindungspraxis grundlegend ändern wird. Die Pharmaindustrie verfügt über eine starke Lobby in Washington, die ihre Interessen bis heute sehr gut vertritt. Das Thema dürfte zudem in den kommenden Wochen deutlich an Wichtigkeit im US-Wahlkampf verlieren.

 

Konklusion:
Die Diskussion über die Preismacht der Pharmamultis ist berechtigt, wird sich aber als Sturm im Wasserglas erweisen. Entsprechend halten wir an unserer positiven Sicht auf Novartis und Roche fest.

 

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