Die diesjährigen Hochs sind in weiter Ferne
Nach der massiven Ausverkaufswelle an den Börsen scheint sich die Stimmung scheinbar wieder aufzuhellen. Zuletzt verzeichneten die Aktienmärkte wieder steigende Notierungen, was jedoch nicht darüber hinwegtäuschen sollte, dass die letzten zwei Monate tiefe Bremsspuren hinterlassen haben. Der Schweizer Leitindex verlor seit Anfang September gut 6.6%. Nur unwesentlich besser erging es dem S&P500 bzw. dem Dow Jones Industrial, die 5.5% bzw. 4% tiefer notieren. Wesentlich heftiger traf es den Eurostoxx50 sowie den deutschen Leitindex Dax, die je gut 9% an Wert einbüssten.
Ein positiver Effekt der jüngsten Korrektur ist, dass sich die Aktienbewertungen deutlich verbilligt haben. Beim Dax ist das Kurs-Gewinn-Verhältnis (KGV) für die kommenden zwölf Monate seit Anfang September um 0.8 Zähler auf 11.6 gefallen. Ähnlich sieht es bei den übrigen wichtigen Indizes aus.
Folgt auf die Baisse nun eine neue Rallye?
Die Versuchung ist gross, nun auf den tieferen Kursniveaus aggressiv in den Markt einzusteigen und auf eine rasante Erholung zu wetten. Wir mahnen jedoch zur Vorsicht. Aus unserer Sicht bestehen nach wie vor grosse Abwärtsrisiken. Denn die bisher veröffentlichten Quartalszahlen können sowohl dies- als auch jenseits des Atlantiks bestenfalls als durchwachsen bezeichnet werden. Vielen eher enttäuschenden Ergebnissen stehen nur einige positive Überraschungen gegenüber. Dass viele Unternehmen jedoch an ihren Gesamtjahresprognosen festhalten, stabilisiert die Situation leicht. Sollte sich der Reigen schlechter Quartalszahlen aber fortsetzen, und einige Unternehmen ihre Jahresprognosen einkassieren, könnte dies neue Verkaufswellen auslösen. In diesem Fall dürfte sich die Einschätzung manifestieren, dass etliche Wirtschaftsräume deutlicher als erwartet an Dynamik verloren haben. Entsprechend bleiben wir vorerst an der Aussenlinie stehen und werden nur selektiv in den Markt einsteigen. Wir setzen dabei auf dividendenstarke Qualitätsaktien (z.B. Novartis, Netlé) – sie sollten sich in stürmischen Börsenzeiten als stabilisierende Depotwerte erweisen. Kurzfristig dürfte zudem der Bankstresstest in Europa für zusätzliche Nervosität sorgen. Am 26. Oktober will die EZB die Ergebnisse für alle 130 Teilnehmer des Belastungstests veröffentlichen. Insgesamt haben sich auch die mittel- bis langfristigen Aussichten für die Aktienmärkte verdunkelt. Das wirtschaftliche Umfeld hat sich sowohl für das restliche 2014 als auch für 2015 in den vergangenen Wochen deutlich eingetrübt. Entsprechend halten wir es für eher unwahrscheinlich, dass die Märkte die diesjährigen Höchststände wieder schnell erreichen werden.
Konklusion:
Wir empfehlen, zunächst nur selektiv in dividendenstarke Qualitätswerte zu investieren. Wir rechnen derzeit nicht mit einer schnellen und kräftigen Erholung.
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