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Neue Wege in der Globalisierung

Menschen sind vielerorts von der Globalisierung enttäuscht
Es wurde viel geredet, unzählige Hände geschüttelt, Prominenz war auch vor Ort – ja es gibt Probleme, aber wir werden sie lösen. So lässt sich wohl das Fazit nach dem jährlichen Weltwirtschaftsforum in Davos zusammenfassen.
Das eigentliche Problem der gegenwärtigen globalen Wirtschaftsverfassung wurde nur am Rande thematisiert. Die Hochphase der Globalisierung, die in den zwei Jahrzehnten nach dem Fall des Eisernen Vorhangs einen globalen Wachstumsboom auslöste, hat ihren Zenit überschritten. Die Heilsversprechungen, die mit einer zusammenwachsenden Welt immer wieder gepredigt wurden, haben sich nicht oder zumindest nur zu einem sehr kleinen Teil erfüllt. Vor allem punkto Wohlstand wurden die Hoffnungen auf breiter Front enttäuscht. Der Aufstieg der Armen in die Mittelklasse ist de facto ausgeblieben. Die Enttäuschung darüber ist in vielen aufstrebenden Ländern spürbar und sichtbar. Natürlich haben zig Millionen Menschen in der Boomphase ihren Lebensstandard erhöhen können. Doch von einem breiten Aufstieg der Massen kann nicht gesprochen werden. Im Gegenteil: Nach zahlreichen Reisen in die Länder Lateinamerikas und Asien bleibt nur ein Fazit: Vom Boom in den Nuller Jahren und zu Beginn des zweiten Jahrzehntes hat nur ein vergleichsweise kleiner Bevölkerungsanteil profitiert. Die Schere zwischen Arm und Reich ist nicht kleiner, sondern grösser geworden. Laut Angaben der NGO Oxfam besitzt das reichste Prozent der Weltbevölkerung, also rund 70 Millionen Menschen, mehr als die restlichen 99% (rund sieben Milliarden Menschen) zusammen. Selbst wenn man die absoluten Zahlen der NGO anzweifeln darf – der Trend in diese Richtung in nicht von der Hand zu weisen. Natürlich wird es nicht zu einer neuen Runde der Deglobalisierung kommen. Viele Menschen sind auf den Geschmack des westlich geprägten Konsums gekommen. Ein Standard, den sie nicht mehr verlieren wollen bzw. nach den gegenwärtigen Krisen in zahlreichen Schwellenländern zurückerobern wollen. Der Nachholbedarf ist im Vergleich zum industrialisierten Westen noch immer enorm. Entsprechend wird der globale Handel nach einer Schwächephase wieder an Schwung gewinnen.
Doch es braucht in den Ländern ein politisches und unternehmerisches Umdenken, um die Wohlstandsgewinne gerechter zu verteilen. Denn auch wenn es in Zeiten des schnellen Kapitals vielleicht nicht mehr en vogue ist – ein Unternehmen ist kein Selbstzweck. Oder um es in den Worten des 1989 von der RAF ermordeten Deutsche Bank-Chef Alfred Herrhausen zu sagen: „Wir müssen uns jeden Tag fragen, ob die Entscheidungen, die wir treffen, Verantwortungsbewusstsein widerspiegeln, das heisst, dem Interesse der ‚Res Publica‘, der Gemeinheit, ebenso dienen wie dem Interesse unserer Kunden, unserer Mitarbeiter und unserer Aktionäre.“

 

Konklusion:
Die Globalisierung hat in vielen Ländern Asiens und Lateinamerikas nicht die erhoffte Wohlstandsmehrung der breiten Bevölkerung ausgelöst. Es braucht ein Umdenken in Politik und Unternehmen!

 

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