EUR/CHF nähert sich wieder der Parität
In den letzten Wochen hat der Schweizer Franken gegenüber der europäischen Gemeinschaftswährung wieder an Stärke gewonnen. Das Währungspaar bewegt sich seit Anfang März wieder in Richtung Parität. Bereits werden Stimmen laut, die ein erneutes Eingreifen der Schweizerischen Nationalbank fordern, um die Aufwertung des Franken zu bremsen. Am Markt wird darüber spekuliert, ob ein erneuter Angriff auf den Franken bevorsteht, und spekulative Marktteilnehmer die Schweizer Währung weiter aufwerten lassen wollen. Sollte EUR/CHF erneut an der Marke von 1.0000 kratzen, so ist durchaus vorstellbar, dass dies zu einem sich selbst verstärkenden Aufwertungsdruck führen könnte. Je wahrscheinlicher ein Bruch der Parität erscheint, desto stärker dürften Spekulanten darauf wetten. In diesem Fall befände sich die SNB wohl im Auge eines Sturms, gegen den sie nur mit massiven Massnahmen entgegenwirken könnte. Wir gehen zwar nicht davon aus, dass die SNB einen neuen offiziellen EUR/CHF-Mindestkurs beschliesst. Jedoch dürfte sie zumindest intern ein gewisses Zielband vor Augen haben, in dem sich EUR/CHF bewegen sollte. Aus unserer Sicht erscheint ein Band zwischen 1.0500 und 1.1000 als ein Niveau, auf dem die Schweizer Unternehmen gut leben könnten. Ein Niveau, das wir als 12-Monatszielband ausgegeben haben. Sollte EUR/CHF jedoch deutlich unter die 1.0500-Marke fallen und sich wie derzeit in Richtung 1.0000 bewegen, dürfte die SNB zunächst über direkte Eingriffe am Währungsmarkt (Fremdwährungskäufe) aktiv werden. Sollte sich der Widerstand der Spekulanten damit nicht brechen lassen, so erscheint es uns wahrscheinlich, dass die SNB den negativen Einlagezins nochmals erhöhen wird. Der Internationale Währungsfonds hat jüngst noch eine weitere Verteidigungswaffe für die SNB ins Spiel gebracht: Sie solle nach dem Vorbild der EZB und der amerikanischen Notenbank gross angelegte Wertpapierkäufe ins Leben rufen, um dem Aufwertungsdruck des Schweizers Frankens und den deflationären Tendenzen entgegenzuwirken – ein Schweizer Quantitative Easing. Die SNB hat nach eigenen Worten bereits eine solche Folge von Interventionen geprüft – ohne darüber zu informieren, inwieweit Kosten und Nutzen für den Einsatz sprächen. Die schwedische Notenbank hatte jüngst ein solches Programm aufgelegt (SEK 30 Milliarden + negativer Einlagezins). Wir gehen davon aus, dass die SNB im Fall eines länger anhaltenden Aufwertungsdruck des Franken, um ein solches Vorgehen (QE plus Erhöhung negativer Einlagezins) nicht umhinkommt. Die negativen Währungseffekte, die ein völlig freier Wechselkurs für Schweizer Firmen mit sich bringen würden, wären für den Wirtschaftsstandort Schweiz fatal.
Konklusion:
Wir gehen davon aus, dass die SNB im Falle eines länger anhaltenden Aufwertungsdrucks des Frankens zur geldpolitischen Bazooka greifen wird und eine Schweizer QE auflegt.
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