
Management leistet sich komplette Fehleinschätzung
Das Angebot für den Agrarchemiekonzern Syngenta ist verlockend: USD 43 Milliarden in Bar oder USD 465 pro Aktie zuzüglich einer Sonderdividende von CHF 5 bietet die chinesische ChemChina. Doch der Jubel der Aktionäre fiel sehr verhalten aus. Zu Recht, wie wir meinen. Denn der Deal hat aus unserer Sicht schlechte Karten, um ohne grössere Nebengeräusche über die Bühne zu gehen. Denn vor allem in den USA dürften sich grosse Widerstände gegen die Übernahme entwickeln – aus Sicht der Amerikaner geht es um nicht weniger als die nationale Sicherheit. Das ‘Komitee für ausländische Investitionen in den USA‘ dürfte den Schweizer Konzern als wichtigen Bestandteil der amerikanischen Wirtschaft klassifizieren. Immerhin ist Syngenta zum Beispiel der grösste Pestizidverkäufer in den USA und wickelt dort insgesamt gut ein Viertel des Gesamtgeschäftes ab. Durch einen Zusammenschluss würden die Chinesen also nicht nur zum weltweit grössten Hersteller von Pflanzenschutzmitteln und einem der grössten Saatguthersteller werden, sondern würde quasi über Nacht zu einer Macht in der amerikanischen Industrie werden. Der politische Widerstand scheint somit vorprogrammiert. Die USA haben in der Vergangenheit bewiesen, dass sie in solchen Fällen mit harten Bandagen um ihren Einfluss kämpfen. So kippte das Komitee für Auslandsinvestitionen in den Vereinigten Staaten zuletzt den geplanten Verkauf der Lichtsparte von Philips an den chinesischen Investor Go Scale Capital. Nach unseren Informationen hatte sich auch ein amerikanisches Unternehmen um die Philips-Sparte (welche Autolampen und LED-Teile herstellt) bemüht. Allerdings sollen die Chinesen eine deutlich bessere Offerte vorgelegt haben, was dem Aus des amerikanischen Bieters gleichkam. Kurz darauf soll das Komitee die Daumenschrauben bei Philips angezogen haben. Am Markt hält sich das Gerüchte, dass das Komitee verklausuliert zu verstehen gab, dass bei einem Verkauf an den chinesischen Investor ein Importverbot für bisherige Philips-Produkte drohte. Kurz darauf platzte der Deal mit den Chinesen. Nach jüngsten Daten untersuchte das Komitee im Jahr 2014 insgesamt 156 Übernahmen wegen nationaler Bedenken. Dies ist jedoch kein neuer Protektionismus der USA. Bereits 2005 kippte der US-Kongress aus Sicherheitsbedenken die Übernahme des amerikanischen Energiekonzerns Unocal durch China National Offshore Oil Corporation. Auch der chinesischen Huwai wird der Marktzugang zu den USA seit Jahren verweigert. Nun passiert, was wir nach der Ablehnung der Kaufofferte durch Monsanto bereits vermutet hatten. Syngenta hat sich in eine denkbar schlechte Verhandlungsposition manövriert und ist letztlich dem Gutdünken Dritter ausgeliefert. Aus unserer Sicht werden die Amerikaner einen hohen „Blutzoll“ von Syngenta fordern (z.B. Verkauf des US-Geschäftes) oder sie lassen den Deal platzen.
Konklusion:
Die Absage an Monsanto wird für Syngenta – wie vermutet – zum Bumerang. Aus unserer Sicht hat das Syngenta-Management auf ganzer Linie versagt.
Bestellen Sie jetzt Ihr gratis Probe-Abo im Wert von CHF 50.- / EUR 50.- oder gleich ein Jahresabonnement für CHF 398.- / EUR 398.-