Web 2.0 macht sich auch in der Anlageberatung breit
Im Internet entwickelt sich ein Trend, der die Welt der Anlageberatung nachhaltig verändern könnte: Das sog. „Social Trading“. In Zeiten von Facebook, Twitter und Co. spielt sich auch der Informationsaustausch über Aktien, Derivate und Anlagestrategien mehr und mehr in sozialen Netzwerken ab. Dabei wird aber nicht nur kommuniziert, sondern auch über spezielle Online-Plattformen gehandelt. Das Kernprinzip ist: Anlageexperten machen ihre Strategien und/oder Empfehlungen in der „Community“ publik. Andere Teilnehmer des Netzwerks können den Tipps als „Follower“ folgen und zum Teil vollautomatisch im eigenen Konto kopieren. Die Idee des „Copy-Trading“ reicht ins Jahr 2006 zurück, als mit „eTory“ (Zypern) und „CoVestor“ und „Currensee“ (beide USA) das Licht der Welt erblickten. Mittlerweile hat sich das Angebot vervielfacht. Im deutschsprachigen Raum gehören beispielsweise „Ayondo“ (Deutschland) oder „Wikifolio“ zu den bekanntesten Social Trading Plattformen.
Bei letzterem sind mittlerweile gut 3‘000 Wikifolios registriert, die insgesamt rund CHF 75 Millionen verwalten. Das Prinzip dahinter ist einfach: Entweder man ist Anleger und sucht sich ein Wikifolio aus, in das man investieren möchte, oder man erstellt selber ein Portfolio und wird so quasi zum Fondsmanager. Um als Wikifolio-Trader anerkannt zu werden, muss der Anbieter EUR 5‘000 in sein eigenes Portfolio stecken. Allen Musterdepots, „Wikifolios“, liegt eine detaillierte Tradingstrategie zugrunde, die der Anbieter beschreiben muss. Genauso festlegen muss er sich im Bezug auf seine Risikoneigung („sicherheitsorientiert“ bis „chancenorientiert“) und die Basiswerte, die er in seinem Musterdepot handeln will. Jeder Trade ist in Echtzeit auf der Internet-Plattform im jeweiligen Wikifolio dokumentiert. Auf diesem Weg wird aus jedem der Musterportfolios ein eigenes, investierbares Index-Zertifikat.
Ayondo verfolgt einen etwas anderen Ansatz: Dort wird nicht in Zertifikate investiert, sondern man sucht sich die Trader aus, denen man folgen möchte – deren Trades werden dann 1:1 im eigenen Depot gespiegelt. Die Social Trading Plattform „United Signals“ setzt hingegen eher auf Klasse statt auf Masse. Man setzt auf eine überschaubare Auswahl von Finanzprofis, die ihre Strategie öffentlich machen.
Mittlerweile entdecken auch die etablierten Finanzdienstleister die Möglichkeiten des Social Trading. So hat die Saxo Bank mit „Tradingfloor“ ihre eigene Plattform aufgebaut. Das langfristige Ziel sind eine Million Nutzer.
Konklusion:
Neulinge oder weniger erfahrene Anleger erhalten auf Social Trading Plattformen einen Einblick in die Welt der Profis und können so wertvolle Tipps erhalten.
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