Die Lage normalisiert sich langsam
Die Schweizer Wirtschaft hat sich im Jahr 2015 robuster gezeigt, als es infolge der Aufhebung des Euro-Mindestkurses prognostiziert wurde. Zwar dürfte sich das BIP-Wachstum 2015 im Vergleich zum Vorjahr auf gut 0.9% halbieren, der erwartete Fall in die Rezession blieb jedoch aus.
Wir gehen davon aus, dass sich die Lage in 2016 weiter aufhellt. Die Europäische Zentralbank hat durch ihr umsichtiges Vorgehen punkto Verlängerung des laufenden Wertpapierkaufprogramms einen neuerlichen Aufwertungsdruck auf den Schweizer Franken vermieden. Das Währungspaar EUR/CHF pendelt seit Wochen im Bereich 1.08 und sollte dieses Niveau verteidigen können – angesichts des sich aufhellenden Konjunkturumfelds in Europa und der Deeskalation in der Euro-Schuldenkrise rechnen wir derzeit nicht damit, dass der Aufwertungsdruck in den kommenden Monaten steigen sollte. Bedingt duch die anhaltende Wachstumsdivergenz zwischen Euroland und der Schweiz – wir rechnen für die Eurozone 2016 mit einem BIP-Wachstum von gut 2% und für die Schweiz mit 1.3% – dürfte der Franken in etwa ab dem zweiten Quartal an Wert gegenüber dem Euro verlieren (siehe auch Seite 21). Die entscheidende Rolle wird im nächsten Jahr jedoch dem Konsum zufallen. Aus unserer Sicht sind die Vorgaben gut, dass dieser im kommenden Jahr wieder deutlich über 1% wächst. Allein die zuwanderungsbedingte Mehrnachfrage dürfte sich nach Berechnungen der Credit Suisse auf gut CHF 1 Milliarde belaufen. Hinzu kommt, dass selbst ein leichter Anstieg der Lohnsumme angesichts der anhaltend tiefen Inflation zu einem Kaufkraftgewinn führt. Ein Anstieg der Lohnsumme um 0.5% dürfte zu einem Kaufkraftgewinn von rund CHF 2 Milliarden führen, wobei ein durchaus grosser Teil ins Ausland fliessen dürfte. Dass der Anstieg des Konsums nicht stärker ausfällt, führen wir vor allem auf die für Schweizer Verhältnisse vergleichsweise hohe Arbeitslosigkeit zurück. Da wir erwarten, dass Schweizer Firmen ihre Strukturen auch 2016 straffen werden, um im internationalen Wettbewerb schritthalten zu können, rechnen wir zu Beginn des kommenden Jahres mit einem weiteren langsamen Anstieg der Arbeitslosigkeit. Dies dürfte den privaten Konsum dämpfen. Wir gehen davon aus, dass sich das Gesamtbild in etwa zur Jahresmitte aufhellt. Dann sollte die anziehende Wirtschaftstätigkeit in der Eurozone spürbar auf die Schweizer Wirtschaft ausstrahlen. Zudem unterstützt ein sich dann abschwächender Franken die Exportindustrie. Unter dem Strich dürfte die Schweiz die konjunkturelle Talsohle infolge der Frankenaufwertung bereits durchschritten haben. 2016 dürfte die Konjunktur bereits wieder spürbar schneller wachsen, bevor es sich 2017 wieder dem Potenzialwachstum von 2% annähert.
Konklusion:
Die Schweizer Wirtschaft dürfte 2016 vor allem dank eines robusten privaten Konsums wachsen. 2017 dürfte sich das BIP-Wachstum bereits wieder dem Potenzialwachstum annähern.
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