An dieser Stelle schon früher dargestellt worden sind die sog. strukturierten Produkte (Zertifikate, Kapitalschutzprodukte oder Produkte mit maximaler Rendite) als wichtige Gruppe von alternativen Anlagen. Sie sind im Bundesgesetz über kollektive Kapitalanlagen (KAG) geregelt. Eine weitere grosse Gruppe solcher alternativer Anlageformen ist unter dem Sammelbegriff „Hedge Funds“ zusammengefasst. Schon vor der Finanzkrise hatten deren Bedeutung und auch die Anzahl der in der Schweiz angebotenen Produkte massiv zugenommen. Vielen Portfolios wurden quasi als Farbtupfer Hedge Funds beigemischt. In der Finanzkrise war der Einbruch bei ihnen allerdings noch drastischer als bei den Aktien oder Obligationen. Nicht wenige von ihnen waren (zeitweise) illiquide und mussten die Rücknahme der Anteile, d.h. die Auszahlung an die Investoren, temporär aussetzen oder ganz ausschliessen, was einem Totalverlust gleichkam. Nicht wenige Betrugsfälle – begünstigt durch die teilweise äusserst komplexe Struktur der Anlagevehikel – wurden aufgedeckt. Entsprechend erfolgte nach der Finanzkrise sogleich der Ruf nach einer verstärkten Regulierung dieser Instrumente. Zumindest die EU hat eben erst eine Vorlage dazu präsentiert; dazu jedoch später. Im folgenden geht es zunächst einmal darum, Struktur und mögliche Strategien von Hedge Funds aufzuzeigen:
Der Begriff Hedge (Hecke, Schutzumrandung) stammt im Finanzjargon aus dem 19. Jahrhundert, als man sich mit zunehmender Industrialisierung und Globalisierung gegen Zins- und Währungsrisiken absichern wollte. Heute steht er für die Absicherung von Wertpapiergeschäften über den Terminmarkt. Dass andererseits die meisten der heute angebotenen Hedge Funds mit Absicherung nicht mehr viel zu tun haben, ist eine Tatsache. Was diese im Gegenteil auszeichnet ist die maximale Freiheit der Fondsmanager bei der Ausgestaltung ihres Fonds und der Wahl der Anlagestrategie. Diese unterliegen keinen Anlagerichtlinien, die regulatorischen Anforderungen sind gering und damit der Anlagespielraum gross. Zum breit gefächerten Spektrum von Strategien gehören alle denkbaren Kombinationsmöglichkeiten von Aktien oder Obligationen mit Options- und Futuresgeschäften, dies ohne Einschränkungen. Auch die Spekulation mit Fremdkapital gehört dabei zum Repertoire, dies um einen Hebel zu erzeugen. Nicht zuletzt steht den Managern das Kapital für längere Zeit zur Verfügung, sind doch in der Regel die Rückzugsmöglichkeiten eingeschränkt und ein solcher erst nach einer gewissen Frist möglich.
Die möglichen Anlagestrategien lassen sich in verschiedene Gruppen unterteilen: Long Short Equity ist eine typische Hedge Fund-Strategie. In Erwartung einer steigenden Börse werden dabei Aktien gekauft. Eine negative Erwartung löst sog. Leerverkäufe aus, bei denen mit geliehenem Geld Wertpapiere verkauft werden. Später kauft der Fond diese an der Börse zurück; die Differenz minus Zinskosten für die Geldaufnahme ist dabei der erzielte Gewinn. Weitere Strategien sind in der Gruppe der sog. Arbitrage-Geschäfte, Market-Neutral bzw. Relativ Value zusammengefasst. Die sog. Trend Followers erklärt schon ihr Name. Eine weitere Gruppe ist die Global Macro-Strategie, bei welcher der Manager auf die gesamtwirtschaftliche Entwicklung in verschiedenen Märkten und Branchen setzt. Hierin zeigt sich etwa deutlich die Tatsache, dass ein Hedge Fund immer nur so gut ist wie sein Manager. Die erfolgreichen Spezialisten in dieser Branche sind deshalb gesucht und hoch bezahlt. Erfolgsabhängige Vergütungen sowohl für den Manager wie auch für den Fund sind hier typisch. In der Branche sind Erfolgsbeteiligungen von 15 bis 20 % keine Seltenheit.
Das z.B. gemäss UBS-Werbung als „kreatives Element im Portefeuille“ dargestellte Anlageinstrument Hedge Fund bietet tatsächlich vielerlei Möglichkeiten, eine teilweise exorbitante Gewinnspanne zu erzielen. Auch sind diese bestens geeignet, als Beimischung zu den konventionellen Anlagen auch z.B. in Baisse- Phasen einen Ertrag zu generieren. Allerdings weisen die Hedge Funds erhebliche Risiken auf, die mit herkömmlichen Risikomassen schwierig zu erfassen sind. Entsprechend verständlich ist der nun wieder aktuelle Ruf nach einer verstärkten Regulierung. Dazu jedoch im nächsten juristischen Advisor-Beitrag.