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Hedge Fonds

I. Was ist das Besondere an Hedge Fonds?
Wörtlich übersetzt ist ein Hedge Fonds ein „Absicherungsfonds“. Man darf sich aber von der wörtlichen Übersetzung nicht irreführen lassen. Hedge Fonds verfolgen sehr selten Absicherungsstrategien. Die Kennzeichnung Hedge Fonds dient der Abgrenzung von traditionellen Fonds. Während traditionelle Fonds in ihrem Anlageverhalten gesetzlich stark geregelt sind, wird den Hedge Fonds grosse Freiheit in der Auswahl der Strategien und Instrumente gewährt.

Die folgende Tabelle fasst die wichtigsten Unterschiede zwischen traditionellen und Hedge Fonds zusammen.

Bei Hedge Fonds handelt es sich zudem oft um geschlossene Fonds. In sie investieren können oft nur reiche Privatpersonen und institutionelle Kunden. Daraus resultiert auch eine geringe Zahl der Anteilseigner.

Während Single-Hedge Fonds nur eine vordefinierte Anlagestrategie verfolgen, beteiligen sich Dach-Hedge Fonds in Single-Hedge Fonds. Damit sind Single-Hedge Fonds riskanter. Ihr öffentlicher Vertrieb wird deshalb in den meisten Ländern nicht zugelassen.

II. Wer hat die Hedge Fonds erfunden?
Den ersten Hedge Fonds hat der Amerikaner Alfred Winslow Jones am 1. Januar 1949 aufgelegt. Mit den Mitteln des Fonds kaufte er traditionelle Aktien. Zusätzlich aber nahm er auch Kredite auf, um das Investitionsvolumen steigern zu können. Schliesslich nahm er auch in grossem Umfang Leerverkäufe vor. Je nach Prognose der Marktentwicklung wurde von Jones der Umfang der Leerverkäufe erhöht (bei der Prognose von fallenden Märkten) oder reduziert (bei der Prognose von steigenden Märkten).

III. Welche Arten von Hedge Fonds gibt es?
Hedge Fonds werden nach der verfolgten Strategie unterschieden. Die folgenden Hauptkategorien sind anzutreffen:

1. Balanced-Long/Short-Hedge Fonds
Die Anlagestrategie von Balanced-Long/Short-Hedge Fonds ist noch am ehesten mit der normalen Aktienanlage vergleichbar. Allerdings können zusätzlich hohe Kredite aufgenommen werden. Damit lässt sich das Investitionsvolumen erhöhen. Zudem sind auch Leerverkäufe unbeschränkt möglich. Dies ermöglicht es, auch bei fallenden Märkten Gewinne zu erzielen.

Der Begriff „balanced“ weist darauf hin, dass ein marktneutrales Depot angestrebt wird. Dies geschieht derart, dass einerseits erfolgsträchtige Aktien gekauft (Long-Positionen), andererseits vermeintlich schlechte Aktien leer verkauft (Short-Positionen) werden. Die Meinung ist, dass bei Marktbewegungen nach oben oder nach unten die „guten“ Aktien sich besser verhalten (d.h. schneller steigen bei einer Hause bzw. langsamer fallen bei einer Baisse) als die „schlechten“ (d.h. langsamer steigen bei einer Hause bzw. schneller fallen bei einer Baisse. Damit wird für alle Marktbewegungen eine Differenz zwischen den „guten“ und den „schlechten“ Aktien erzielt. Diese positive Differenz sorgt, wenn die Planung aufgeht, in allen Marktphasen für Gewinne.

2. Arbitrage-Hedge Fonds
Die Strategie von Arbitrage-Hedge Fonds zielt darauf ab, die Preise der angebotenen Produkte, vor allem der Strukturierten Produkte laufend zu überwachen und eigenständig zu bewerten. Kommt es zu Fehlbewertungen, so werden diese sofort ausgenutzt. Da entdeckte Bewertungsdifferenzen aber sehr klein sind, müssen grosse Volumen zur Verfügung stehen, die investiert werden können. Für diese Strategien sind aufwändige und meist komplizierte Bewertungstools erforderlich. Hinter Arbitrage-Strategien stehen deshalb meist Mathematiker und Physiker.

3. Global-Macro-Hedge Fonds
Global-Macro-Hedge Fonds verfolgen keine spezifizierte Anlagestrategie. Demgegenüber wird der Markt laufend nach Opportunitäten abgesucht. Wird eine lukrative Opportunität entdeckt, wird ohne Einschränkung der Anlageinstrumente versucht, diese Opportunitäten in Gewinne umzuwandeln. Verfolgt wird meist ein Top-down-Ansatz. Es werden Opportunitäten also vor allem im makroökonomischen Umfeld und in der Branchenlandschaft gesucht. Es geht vor allem darum, Trends aufzuspüren und auszunutzen.

4. Event-Driven-Hedge Fonds
Bei Event-Driven-Hedge Fonds werden bottom-up einzelne Unternehmen durchleuchtet. Aber erst in speziellen Situationen der Unternehmensentwicklung (events) wird dann investiert. Dies können Unternehmen sein, die übernommen werden sollen. Auch bei sanierungsbedürftigen Unternehmen entstehen oft lukrative Investments mit der Möglichkeit, hohe Gewinne zu erzielen.

IV. Was sind die Vorteile von Hedge Fonds?
Hedge Fonds erlauben es, auch bei fallenden Märkten, Gewinne zu erzielen. Zudem korrelieren die HedgeFonds-Strategien wenig mit den traditionellen Assetklassen. Auch untereinander ist die Korrelation kaum vorhanden. Gewisse Hedge Fonds haben auch in konservativen Portfolios durchaus Platz.

Die nachfolgende Tabelle soll ein paar Korrelationen zwischen den verschiedenen Assetklassen aufzeigen:


(Quelle: Bretzler/Rudolph, Hedge Fonds & Alternative Investments; Seite 34)

V. Die Regulierung von Hedge Fonds in der Schweiz
Wie alle Fonds in der Schweiz, sind auch Hedge Fonds im Kapitalanlagegesetz (Bundesgesetz über die kollektiven Kapitalanlagen, KAG) geregelt. Im aufgehobenen Anlagefondgesetz wurde für die Hedge Fonds die Kategorie der „übrige Fonds mit besonderem Risiko“ geschaffen. Im KAG ist es die Kategorie der „übrige Fonds für alternative Anlagen“ (Art. 71 KAG). Es handelt sich dabei um offene Kapitalanlagen, die bei ihren Anlagen, Anlagetechniken und –beschränkungen ein für alternative Anlagen typisches Risikoprofil aufweisen. Bei den Anlagetechniken geht es vor allem um die Kreditaufnahme und um Leerverkäufe. Beschränkt wird die Hebelwirkung (nicht höher als 600% des Nettovermögens) und die Kreditaufnahme (nicht mehr als 50% des Nettovermögens). Vgl. dazu Art. 71 KAG und Art. 100 Abs. 2 KAV.