Robo-Advisors gehen in Angriffsstellung
Die klassische Vermögensverwaltung kommt unter Druck. Für einmal geht dies jedoch nicht von einer zunehmenden Regulierung aus, sondern durch den technologischen Fortschritt. Online-Software-Werkzeuge mit ausgeklügelten Algorithmen ersetzen dabei den Vermögensberater. Die Anlagebedürfnisse und die Risikobereitschaft des Kunden werden anhand von ein paar kurzen Fragen ermittelt und mithilfe einer Software binnen weniger Millisekunden in eine Anlagestrategie umgesetzt. Gefällt dem Kunden das Angebot, kann er dieses mittels weniger Klicks direkt beim angeschlossenen Broker kaufen. Je nach Angebot wird in zeitlichen Abständen ein Rebalancing des Portfolios durchgeführt. Der Trend zur onlinebasierten Vermögensverwaltung entstand vor gut 5 Jahren in den USA mit der Gründung des Unternehmens „Betterment“. Inzwischen managed das Unternehmen gut USD 2.2 Milliarden Kundengelder. Mittlerweile haben auch grosse, klassische Vermögensverwalter das Online-Geschäft für sich entdeckt: Charles Schwab startete vor kurzem seine intelligenten Portfolios, die binnen weniger Wochen mehrere Milliarden einsammelten. Fondsriese Vanguard startete Anfang Mai seinen „Personal Advisor Service“. In Deutschland hat sich rund um das Thema „Online-Vermögensverwalter“ eine rege Start-Up-Szene entwickelt, aus deren Reihen bereits einige bekannte Unternehmen hervorgegangen sind (Cashboard, Vaamo). Der Vorteil der Anlage-Roboter liegt auf der Hand: Die Kosten! Die „Management“-Kosten des jeweiligen Portfolios liegen in der Regel unter einem Prozent. Da die Softwarelösungen bei der Ausgestaltung der Portfolios meist auf ETF zurückgreifen, entstehen keine sonst üblichen Ausgabeaufschläge oder Managementgebühren auf Fondsebene. Auch Eintrittshürden, wie zum Beispiel die Festlegung eines Mindestanlagebetrags sind bei Online-Vermögensverwaltern quasi unbekannt. Das System hat aber auch seine Nachteile: Das Ausfüllen eines Standard-Fragebogens kann nie das persönliche Gespräch zwischen Kunde und Vermögensverwalter ersetzen. Die individuellen und differenzierten Bedürfnisse der Kunden können nur ansatzweise durch die Softwarelösungen erfasst werden. Zudem sind die Produkte gezwungenermassen an starre Regeln gebunden – überraschende und vorausschauende Änderungen in der Anlagestrategie, mit der Kunden zum Beispiel auf ein sich langsam änderndes Anlageumfeld proaktiv agieren können, lassen sich mit den Anlage-Robots nicht umsetzen. Für die jüngere Generation, die ihre erste Erfahrungen in der Geldanlage sammeln, werden die Roboter eine Selbstverständlichkeit sein. Für individualisierte Anlagestrategien werden persönliche Kontakte zu einem echten Vermögensverwalter jedoch auch in Zukunft notwendig bleiben.
Konklusion:
Die Online-Vermögensverwaltung besticht vor allem durch die vergleichsweise niedrigen Kosten. Für individualisierte Anlagelösungen sind sie jedoch nicht geeignet.
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