Kommt der Aufschwung am griechischen Aktienmarkt?
In den letzten Tagen hat sich unter den Vermögensverwalter eine höchst spannende Diskussion über griechische Aktien entwickelt. Denn gleich, ob die Eurogruppe nun eine Lösung für das griechische Schuldenproblem findet oder doch der geordnete oder ungeordnete Grexit kommt, sehen immer mehr Marktteilnehmer grosse Chancen bei Aktieninvestments in Griechenland. Einige Verwalter halten den griechischen Markt langfristig für den interessantesten europäischen und internationalen Aktienmarkt. Die Logik der Griechen-Bullen ist denkbar einfach: Kaufen, wenn die Stimmung am Boden ist.
Derzeit notiert der griechische Leitindex ASE gut 85% unter dem historischen Höchststand aus dem Jahr 2008. Schlimmer geht‘s nimmer! Tatsächlich gibt es in dem krisengeplagten Land durchaus einige interessante Aktienperlen. So zählt beispielsweise Coca-Cola HBC zu den grössten Abfüllern von Coca-Cola-Produkten weltweit. Der Telekom-Anbieter Hellenic Telecom ist der grösste Telekomanbieter des Landes (die Deutsche Telekom ist mit 40% an dem Unternehmen beteiligt). Die Marktbullen verweisen dabei auf die Entwicklung in Irland oder Spanien. Beide Märkte haben in den letzten Jahren, als sich abzeichnete, dass die grössten Probleme überwunden werden können, massiv zugelegt. Beim irischen ISEQ 20 summiert sich das Kursplus in den vergangenen 24 Monaten auf satte 63%, der spanische Leitindex IBEX 35 kommt in den vergangenen 36 Monaten auf ein Plus von 74%. Doch können die Marktentwicklungen wirklich als Blaupause für die künftige Entwicklung am griechischen Markt dienen? Wir haben unsere Zweifel. Denn aus unserer Sicht besteht ein grundlegender Unterschied zwischen Griechenland und den anderen Euro-Krisenländern: Hellas hat es bisher nicht geschafft, Reformen anzugehen, welche die internationale Wettbewerbsfähigkeit des Landes stärken. Im Gegenteil: Griechenland ist aus unserer Sicht in den vergangenen Monaten eher noch zurückgefallen. Egal ob Grexit oder Euro-Verbleib: Die griechische Wirtschaft steht noch vor Jahren des Siechtums, die auch die Unternehmensentwicklungen massiv belasten. Vor diesem Hintergrund raten wir von Aktieninvestments in Griechenland ab.
Anleger, die jedoch den griechischen Nervenkitzel suchen, sollten – sofern der Markt die ersten wilden Handelstage nach der Wiedereröffnung hinter sich hat – breit in den Markt einsteigen und auf Einzeltitel-Engagements absehen. Lyxor bietet beispielsweise einen ETF auf den Athex Large Cap Index an, der die Kursentwicklung der 25 grössten Blue-Chips abbildet (ISIN: FR0010405431).
Konklusion:
Wir sehen die Aktienkursentwicklung in Irland und Spanien nicht unbedingt als Blaupause für Griechenland. Die Risiken griechischer Aktieninvestments sind ausgesprochen hoch.
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