Strukturierte Produkte sind in der Regel eine Kombination aus Derivaten und „herkömmlichen“ Anlagen wie Aktien oder Anleihen. Die derivative Komponente führt dazu, dass die Bewertung von Strukturierten Produkten recht kompliziert ist und von einem „gewöhnlichen“ Privatanleger wohl kaum selbst durchgeführt werden kann.
Dennoch ist es wichtig, sich über einige grundlegende Einflussfaktoren im Klaren zu sein, um wenigstens die grobe, übergeordnete Richtung, in welche sich der Preis eines Strukturierten Produktes entwickeln wird, einschätzen zu können. Einer der bedeutendsten Faktoren ist die Volatilität.
Mit „Volatilität“ wird das Schwankungsmass von Aktien, Devisenkursen, Zinssätzen oder ganzer Märkte bezeichnet. Je stärker diese schwanken, umso höher ihre Volatilität.
Bei der Volatilität gilt es, zwischen historischer und impliziter Volatilität zu unterscheiden. Die historische Volatilität wird aus den vergangenen Preisschwankungen errechnet. Sie ist für unsere Zwecke nicht wirklich geeignet und kann allenfalls einen Anhaltspunkt geben. Die implizite Volatilität ist jene Schwankungsbreite, welche im aktuellen Kurs der Option (nicht des Basiswertes!) bereits enthalten ist. Sie gibt an, welches Schwankungsmass der Markt für den Basiswert (nicht für die Option!) zukünftig erwartet. Lediglich die implizite Volatilität ist für eine Prognose geeignet. Das Problem dabei ist jedoch, dass sich die implizite Volatilität jeweils auf eine Option bezieht und deshalb erstens teilweise schwer zu beschaffen ist und zweitens in der tatsächlichen Aussagekraft zweifelhaft bleibt.
Investoren müssen sich deshalb stets – wie in Ausgabe 31 vom 28. August 2008 beschrieben – eine eigene Erwartung auch in Bezug auf die Volatilität bilden.
Somit gibt es drei Möglichkeiten: Die Volatilität steigt, sinkt oder bleibt in etwa gleich.
Reaktionen der Strukturierten Produkte
Bei Renditeoptimierungsprodukten, wie BRC‘s, wird regelmässig ein Coupon ausgeschüttet. Dieser Coupon ist umso höher, je höher die Volatilität ist. Der Anleger muss jedoch einen „Kompromiss“ eingehen. Denn nicht nur der Coupon, sondern auch das Risiko steigt, wenn die Volatilität hoch ist. Schwankt der Basiswert nämlich stärker, steigt die Wahrscheinlichkeit, dass er unter die Barriere fällt. Anstatt einen höheren Coupon zu wählen, könnte jedoch auch die Barriere nach unten versetzt und dadurch das Risiko verkleinert werden. Ideal wäre es also, wenn die Volatilität beim Kauf des BRC hoch ist und danach sinkt. Erwarten Sie für den Basiswert also eine sinkende Schwankungsbreite, könnte ein BRC in Frage kommen.
Anders ist die Lage bei Kapitalschutzprodukten. In der Regel sollte die Volatilität vor der Emission beziehungsweise zum Zeitpunkt des Kaufs des Strukturierten Produktes gering sein. Damit sich der Kurs des Kapitalschutzproduktes wunschgemäss verändert, sollte die Volatilität steigen. KS-Produkte können nämlich während ihrer Laufzeit beträchtlich ins Minus rutschen, lediglich weil die Volatilität abnimmt.
siehe Tabelle im beiliegenden PDF