Dollarstärke konnte Kapitalabfluss aus Europa beschleunigen
Im Vorfeld der Q3-Berichtssaison gehen Anleger an den wichtigsten Handelsplätzen in die Defensive. Nach einem starken Zwischensprint im August konsolidieren der SMI, der Eurostoxx50 und der S&P500 mittlerweile seit gut einem Monat auf hohem Niveau. Vor allem der sich zunehmend verdunkelnde Konjunkturhimmel bereitet den Anlegern Sorgen. Denn nachdem sich das Erholungstempo in Europa bereits kräftig abgeschwächt hat, scheinen nun auch die Vereinigten Staaten an Schwung zu verlieren. Der Einkaufsmanagerindex für die US-Industrie war im September von 59.0 Punkten im Vormonat auf 56.6 Zähler deutlich stärker gesunken als erwartet. Bankvolkswirte hatten lediglich einen Rückgang auf 58.5 Punkte erwartet. Besonders stark gerieten der Auftrags- und der Beschäftigungsindex unter Druck. Überraschend sanken zudem die Bauausgaben für den Monat August.
Aus europäischer und Schweizer Sicht kommt erschwerend die Dollarstärke hinzu. Was für die Exportwirtschaft gut ist, ist für die Aktienmärkte im Euro-Raum und in der Schweiz ein weniger gutes Zeichen. Denn für Anleger aus dem USD-Raum werden angesichts der sich fortsetzenden Talfahrt des Euros und des Frankens Investments in diese Marktsegmente zunehmend unattraktiv. Kommt hinzu, dass er Präsident der Europäischen Zentralbank, Mario Draghi, diesen Währungstrend weiter anheizen könnte. Denn mit seiner anhaltenden Nullzins-Politik, dem Kauf von ABS-Papieren und unter Umständen dem direkten Kauf von europäischen Staatsanleihen, steht Draghi konträr zur amerikanischen Geldpolitik. Janet Yellen, die Chefin der amerikanischen Notenbank Fed, zieht nach und nach die geldpolitischen Zügel an. Die jüngst zu beobachtende Dollarstärke bzw. Euroschwäche könnte sich unter Umständen noch über Jahre hinziehen – ein Kapitalabfluss aus Europa und der Schweiz (als Folge der EUR/CHF-Untergrenze) wäre die logische Folge. Aufgrund der guten Haushaltslage in der Schweiz, dem stabilen politischen System und der vergleichsweise hohen Ausschüttungsquote Schweizer Konzerne, dürften die Abflüsse allerdings eher gering ausfallen.
In Europa kommt erschwerend der wachsende Unwille zu Strukturreformen hinzu – vor allem in den wichtigen Ländern Frankreich und Italien. Dort möchte man lieber über neue Schulden die Wirtschaft ankurbeln, anstatt über teilweise schmerzhafte Reformen die Wirtschaft/Gesellschaft auf ein gesünderes Fundament zu stellen. Damit steigt die spätere Fallhöhe lediglich.
Konklusion:
Wir erwarten, dass sich das Marktumfeld besonders im Euroraum weiter eintrübt. Unsere bevorzugten Anlageregionen bleiben die USA und die Schweiz.
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