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Die Folgen eines Ölpreiskriegs

Verwerfungen an den Anleihemärkten
Der Ölpreis fällt, die Benzinpreise rutschen und die Heizöltanks können billiger gefüllt werden. Derzeit überwiegt bei Konsumenten die Freude über die sinkenden Rohölnotierungen – auch in der Schweiz. Doch die Freude darüber könnte verfrüht sein. Denn sollte
Saudi-Arabien den Ölpreisverfall weiter vorantreiben, könnte dies zu massiven Verwerfungen an den High-Yield-Märkten führen. Der saudische Plan ist, den Ölpreis so weit in den Keller zu treiben, bis den Fracking-Konzernen in den USA die Puste ausgeht und sie ihre Produktion einstellen (siehe auch Ausgabe 40/2014).

Enge Verwebung mit den Finanzmärkten
Die Fracking-Industrie in den USA finanziert sich zu einem sehr grossen Teil über Hochzinsanleihen, sog. High-Yield-Bonds. Machten Energiefirmen am Markt für amerikanische Hochzinsanleihen im Jahr 2005 gerade 4.6% aus – also gut ein Zwanzigstel des Gesamtmarktes, ist ihr Anteil auf aktuell etwa 15.5% gestiegen. Das Volumen des US-High-Yield-Marktes wird derzeit auf gut USD 1.6 Billionen geschätzt – doppelt so viel wie vor der Finanzkrise. Der Wert entspricht in etwa 10% der jährlichen Gesamtwirtschaftsleistung der USA.
Das Problem liegt dabei weniger in den absoluten Zahlen, sondern in einem möglichen Domino-Effekt, welchen der Ausfall von ersten Fracking-Anleihen auslösen könnte. Denn bereits während des Mini-Crashs an den Finanzmärkten im Oktober zeigte sich, dass der Markt für Hochzinsanleihen sehr schnell austrocknen kann. Die Liquidität am High-Yield-Markt ging während dieser Korrekturphase spürbar zurück – die Spanne zwischen Kauf- und Verkaufspreisen stieg rasant an. Sollte es nun auf breiter Front zu einem Ausfall von Fracking-Anleihen kommen, könnte dies – ähnlich wie bei den amerikanischen Subprimes – zu einem Beben an den Märkten führen. Der Ausfall der Anleihen löst Verunsicherung aus, die sich nach und nach auf den gesamten Kapitalmarkt ausbreitet, und die Notierungen fast aller Asset-Klassen sinken lässt. Eine neuerliche Krise im Finanzsystem wäre wahrscheinlich.

Noch keine Gefahr
Die Gewinnschwellen der Fracking Unternehmen variieren je nach Region und Projekt (vgl. Ausgabe 40/2014). Wir gehen davon aus, dass das kritische Preisniveau für Rohöl der Sorte WTI für eine längere Zeit (mehrere Monate) deutlich unter USD 75 pro Fass notieren müsste, bevor die Fracking-Industrie in der Breite von der Preiserosion getroffen wird. Derzeit notiert WTI knapp unter USD 80 pro Barrel – ein Niveau, das für kleinere Explorer mitunter kritisch ist, aber die Industrie in der Breite noch nicht trifft.

Konklusion:
Wir sehen die Ölpreise noch nicht auf einem akut gefährlichen Preisniveau. Sollte Saudi-Arabien den Preisdruck aber nochmals erhöhen, könnte es auf den High-Yield-Märkten zu Verwerfungen kommen.

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