Renditezerfall und Regularien drücken auf die Stimmung
Wir haben in der vergangenen Woche damit begonnen, unser vergleichsweise hohes Exposure im Versicherungssegment deutlich zu reduzieren. Wir haben uns von einigen gut gelaufenen Versicherern aus der Schweiz und aus der Eurozone mit Gewinn getrennt. Wir werden die weitere Kursentwicklung innerhalb der Branche genau beobachten und notfalls weitere Verkäufe vornehmen. Hintergrund unserer Entscheidung ist, dass sich das Umfeld für Versicherer angesichts des anhaltend tiefen Niedrigzinsumfelds zunehmend eintrübt. Nicht zuletzt sorgt die Europäische Zentralbank mit ihrer Niedrigzinspolitik und dem massenhaften Aufkauf von europäischen Staatsanleihen für massiven Druck auf die Branche im Allgemeinen und auf Lebensversicherer im Speziellen. Die Befürchtung ist, dass die Assekuranzen den von ihnen gewährten Garantiezins nicht mehr sicherstellen können. Es fällt ihnen zunehmend schwerer, die nötigen hohen Erträge in ihren Kapitalanlagen zu erwirtschaften. Ein Problem der Versicherer ist, dass sie in ihrer Anlagepolitik aufgrund von Regulierungsvorgaben (Solvency II) und der Hinterlegung von Risikokapital die Aktienquote niedrig halten müssen. Die deutsche Allianz kommt derzeit auf eine Aktienquote von gerade 7%. Zugleich werfen Anleihen kaum noch Renditen ab und der Trend – selbst bei Unternehmensanleihen – weist auf ein weiter fallendes Renditeniveau hin. Darüber hinaus laufen nach und nach auch die höher rentierenden Bonds aus. Um der „Ertragslücke“ in den Portfolios zuvorzukommen, weiten die Versicherer, wie zum Beispiel die Allianz, ihre Engagements in Private Equity, Immobilien sowie erneuerbare Energien aus. Darüber hinaus stehen bei festverzinslichen Wertpapieren auch Infrastruktur- und Hypothekardarlehen sowie Privatplatzierungen im Fokus. Swiss Re teilte unlängst mit, ihr Engagement im High-Yield-Bonds-Bereich auszubauen. Insgesamt stehen wir mit unserer negativen Sicht auf den Sektor keineswegs alleine da. Die Ratingagentur Fitch stellte zum Beispiel der deutschen Versicherungsbranche eine Herabstufung in Aussicht und nannte die niedrigen Zinsen als grösstes Risiko. Morgan Stanley senkte jüngst den Daumen für die gesamte europäische Versicherungsindustrie. Die Analysten prophezeien dem punkto Dividende traditionell gut zahlenden Sektor geringere Ausschüttungen sowie rückläufige Gewinne. Die Main First Bank rechnet vor, wie hoch der Kapitalbedarf der Branche ist: Bei einem durchschnittlichen Anlagezinssatz von 2% benötigen die schwächeren Unternehmen bis 2035 rund EUR 4 Milliarden frisches Kapital, um ihre Kapitalausstattung auf dem heutigen Stand zu halten. Bei einem Zinssatz von 1.75% steigt die Summe auf etwa EUR 10 Milliarden; bei einem Zinssatz von 1.5% würde der Kapitalbedarf dann schon auf EUR 25 Milliarden steigen.
Konklusion:
Wir rechnen langfristig mit einer Konsolidierungswelle und zahlreichen Kapitalerhöhungen innerhalb der Branche. Wir stufen den Versicherungssektor auf „untergewichten“ zurück.
Viele weitere Empfehlungen finden Sie Woche für Woche in der aktuellen Ausgabe des „the investor“.
Bestellen Sie jetzt Ihr gratis Probe-Abo im Wert von CHF 50.- / EUR 50.- oder gleich ein Jahresabonnement für CHF 398.- / EUR 398.-