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Auch bei Strukturierten Produkten konsequent handeln

thomas-laesser

Die Pleite der US-Investmentbank Lehman Brothers hat Anlegern einen Risikofaktor von Strukturierten Produkten vor Augen geführt: Das Risiko des Emittentenausfalls. Nach dem Bankrott ist unklar, wie viel Geld Investoren, die von Lehman Brothers begebene Strukturierte Produkte erworben haben, zurück erhalten werden. In den ersten Tagen nach der Verkündung des Konkurses war von einer Konkursquote von maximal 60% die Rede. Es kann jedoch – ohne jetzt schwarz malen zu wollen –auch ein Totalverlust nicht ausgeschlossen werden.
Hintergrund dieses Dramas ist die Natur der Strukturierten Produkte. Denn diese Anlagevehikel werden von den Emittenten „konstruiert“. Die Käufer legen sich somit keinen eindeutigen Wert ins Depot, wie dies etwa beim Kauf von Aktien der Fall ist, sondern erwerben ein vielschichtiges Finanzprodukt. Dieses besteht in der Regel aus mehreren Teilen, wobei herkömmliche Finanzanlagen wie Aktien und Obligationen mit derivativen Elementen verknüpft werden. Diese Konstruktion wird schliesslich in einem Wertpapier – eben dem Strukturierten Produkt – verbrieft. Dabei entsteht dem Erwerber jedoch ein Gegenparteirisiko. Dies bedeutet, die Emittentin wird regelmässig ein Interesse daran haben, dass der Käufer mit dem Produkt keinen allzu grossen Gewinn einfährt. Dies geht teilweise so weit, dass Emittenten in gewisse, mehrschichtige Strukturierte Produkte absichtlich Werte „einbauen“, von welchen sie sich einen negativen Effekt auf die Performance des Produktes erwarten.
Doch die Problematik des von den Emittenten ausgehenden Risikos bei Strukturierten Produkten geht, wie der eingangs erwähnte Fall (im doppelten Sinne) von Lehman Brothers unterstreicht, noch tiefer. Aus rechtlicher Sicht handelt es sich bei Strukturierten Produkten nämlich um mit Kreditrisiko behaftete Forderungen (vergleichen Sie dazu Steffen Tolle et al., „Strukturierte Produkte in der Vermögensverwaltung“, S. 90). Der Erwerber eines Produktes erhält genau genommen eine Forderung gegen die Emittentin, gewährt ihr also – vereinfacht ausgedrückt – einen Kredit. Diese Forderung fällt in die Konkursmasse der Emittentin und wird nicht abgesondert, wie dies etwa bei Aktien geschieht!
Bezüglich Lehman Brothers bedeutet dies, dass die von der Investmentbank begebenen Strukturierten Produkte der Konkursmasse zuzurechnen sind und die Anleger vorerst durch die Finger schauen.
Dies gilt freilich auch für die sogenannten „Kapitalschutzprodukte“. Wie zahlreiche Medienberichte in den Tagen seit dem Sturz von Lehman Brothers gezeigt haben, liessen sich viele Investoren von dieser Bezeichnung täuschen. Bei dem „Kapitalschutz“ handelt es sich nämlich lediglich um eine spezielle Ausgestaltung des jeweiligen Produktes und nicht um eine über das Produkt hinausgehende Sicherheit.
Berücksichtigen Sie deshalb bei der Auswahl von Strukturierten Produkten die Bonität der Emittentin. Dies ist im Moment nur sehr schwer in die Praxis umzusetzen, da die Analysen der Rating- Agenturen in ein zweifelhaftes Licht gerückt worden sind. Sie sollten deswegen jedoch nicht vollständig auf den Einsatz von Strukturierten Produkten verzichten. Seien Sie sich jedoch des Risikos bewusst und setzen Sie – was ohnehin für alle Anlageklassen gilt – nur einen Teil Ihres Vermögens auf diese Karte.

siehe Tabelle im beiliegenden PDF