Smartwatches – ein überschätztes Geschäft
Wird Apples neue Smartwatch, die 2015 in die Läden kommen soll, ein grosser Belastungsfaktor für die Schweizer Uhrenindustrie? Wir sind überzeugt davon, dass die Apple Watch nicht dieses Potenzial hat. Der globale Uhrenmarkt wird aktuell auf USD 56 Milliarden geschätzt, wobei auf den Schweizer Markt davon gut 40% entfallen. 2013 belief sich das Export-Volumen der Schweizer Uhrenindustrie auf gut USD 21 Milliarden. Gut 65% davon entfallen auf das Luxus-Uhrensegment mit Preisen von CHF 3‘000 und mehr; 21% machen Uhren im Bereich von CHF 500 bis 3‘000 aus. Auf das unterste Preissegment (bis CHF 500) entfallen nur gut 13% der Schweizer Uhrenexporte – in dieses Preissegment dürfte die Apple Watch vorstossen. Entsprechend dürften vor allem die Luxusuhrenhersteller wie Richemont dem Markteintritt von Apple relativ sorglos beobachten. Hochpreisige Uhren sind und bleiben vor allem eines: Ein Prestigeobjekt. Druck könnte der Markteintritt hingegen bei Uhrenproduzenten im unteren Preissegment auslösen. Analysten der Credit Suisse erwarten, dass der Markt für Smartwatches 2015 bereits auf USD 11 Milliarden wächst (Gesamtmarkt Wearables 2014: USD 3 Milliarden). 2016 soll der Smartwach-Markt auf USD 23 Milliarden, 2017 auf USD 40 Milliarden und 2018 auf USD 62 Milliarden anschwellen. Mit Blick auf die Schweizer Produzenten dürfte dies vor allem die Swatch Group beunruhigen. Insgesamt entfallen rund 17% der Schweizer Uhrenexporte auf das Hayek-Imperium. Gut 24% seiner Umsätze und gut 18% des Ebit generiert Swatch im untersten Preissegment. Sollte Apple – rein hypothetisch – bis 2015 gut 50% des Swatch-Geschäftes übernehmen, so die Experten der Credit Suisse, dürfte das für 2015 prognostizierte Ebit etwa 9% tiefer, der Gewinn pro Aktie gut 6% tiefer ausfallen.
Wir gehen jedoch davon aus, dass das Marktpotenzial der Wearables überschätzt wird. Denn wir sehen in diesen Gadgets derzeit keinen wirklichen Mehrwert. Möchten Sie sich ihre Bilder auf einem winzigen Bildschirm anschauen, wenn Sie mit einem Handgriff ihre Bilder in einer angenehmen Grösse anschauen können? Werden Sie Emails oder SMS über Ihre Uhr mit Hilfe von Standardphrasen oder Emoijs beantworten? Werden Sie online Maps nutzen, die so klein sind, dass eine Orientierung de fakto unmöglich ist? Wir gehen davon aus, dass Smartwatches derzeit vor allem für Fitnessfans und gesundheitsbewusste Menschen interessant sind, die ihre Biodaten, Laufdaten usw. jederzeit zur Verfügung haben wollen. Möchten Sie jeden Tag daran erinnert werden, dass sie eigentlich zu wenig laufen, sich viel zu wenig bewegen? Wir nicht! Die Apple Watch wird seine Käufer finden. Ein wahres Massenprodukt à la iPhone wird es jedoch nicht!
Konklusion:
Wir glauben nicht, dass Smartwatches auf absehbare Zeit ein Massenprodukt werden. Wir sehen derzeit keinen Mehrwert, der die Produkte für eine Masse attraktiv machen könnte!
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