Noch ist der Konzern im Westen eine unbekannte Grösse
In gut einer Woche ist es so weit. Voraussichtlich am 19. September wird der chinesische Internetgigant Alibaba an die Börse gehen. Derzeit rührt der Konzern an der Roadshow noch einmal die Werbetrommel. Gründer und Konzernchef Jack Ma will einen der grössten Börsengänge der Geschichte hinlegen. Der Emissionserlös soll bei rund USD 23 Milliarden liegen. Da aber nur ein kleiner Teil des Konzerns an der Börse gelistet werden soll, taxiert Alibaba auf Grundlage der anvisierten Preisspanne einen Gesamtwert von USD 163 Milliarden.
Alibaba contra Amazon und Ebay?
Im Westen ist der Konzern bis dato weitgehend unbekannt. Jack Ma konzentriert sich bei der Expansion des Unternehmens auf den Heimatmarkt China sowie die Wachstumsmärkte in Afrika und Lateinamerika. Vor allem Westeuropa spielt für Ma nur eine untergeordnete Rolle – die Marktmacht von Amazon und Ebay dürfte schlicht zu gross sein. Der Gründer hatte die Konkurrenzsituation vor gut 9 Jahren wie folgt beschrieben: „Ebay mag ein Hai im Ozean sein, aber ich bin das Krokodil im Jangtse-Strom. Wenn wir im Ozean zum Kampf antreten, werden wir verlieren – aber wenn wir im Fluss kämpfen, werden wir gewinnen.“ Alibaba hat in China einen Marktanteil von 80% – für Amazon oder Ebay eine fast unüberbrückbare Eintrittsbarriere.
Ohnehin hinkt der Vergleich mit Amazon oder Ebay. Denn während die US-Unternehmen sich vor allem auf das Geschäft zwischen Händlern und Konsumenten bzw. Konsumenten und Konsumenten konzentrieren, spielt dieser Verkaufsweg bei Alibaba nur eine untergeordnete Rolle. Der Fokus liegt auf dem Business-to-Business-Geschäft – ein Feld, dass die Amerikaner lange vernachlässigt haben und Alibaba somit einen grossen Wettbewerbsvorteil einbringt. Darüber hinaus investierte Ma frühzeitig in zukunftsträchtige Entwicklungen. So hat der Alibaba-Boss mit „Alipay“ sein eigenes Bezahlsystem aufgebaut (ähnlich dem PayPal-System). 2013 erreichte Ma mit Alipay ein Transaktionsvolumen von USD 778 Milliarden; bei Ebay belief sich das Transaktionsvolumen auf gerade USD 179 Milliarden. Zudem spannt Alibaba mit grossen chinesischen Banken sowie den Kreditkartenbetreibern Visa und Mastercard zusammen. Darüber hinaus investierte Jack Ma frühzeitig in Cloud-Computing und hat ein eigenes Marketingportal für Onlinewerbung aufgebaut. Themen, die in Zukunft noch an Bedeutung gewinnen werden, doch die US-Konzerne haben bis dato diese Entwicklung nur halbherzig verfolgt. Ein grosses Plus ist zudem die 20%-Beteiligung von Yahoo an Alibaba (siehe auch Seite 11). Dadurch erhalten die Chinesen einen Zugang zum US-Markt, den sie mit scharfen Investitions- und Marketingoffensiven in Zukunft bearbeiten dürften.
Konklusion:
Investoren, die die Möglichkeit haben am IPO von Alibaba zu partizipieren, sollten diese Gelegenheit nutzen. Wir ziehen Alibaba sowohl Yahoo als auch Ebay und Amazon vor.
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