
Wirklich Freude hat das Börsenjahr 2016 nicht gemacht – trotz der doch versöhnlich verlaufenden Jahresendrallye. Konjunktursorgen in China, Brexit, Bankenkrise, Eurokrise, US-Präsidentschaftswahlkampf – es sind nur einige Schlagworte, welche das Jahr 2016 prägten und für zeitweise extreme Volatilitäten an der Schweizer Börse sorgten. Gleich dreimal lag der Swiss Market Index im Jahr 2016 über 13% im Minus bevor die Marktbullen jeweils wieder das Zepter übernahmen. Kurz vor Toresschluss liegt der Schweizer Leitindex rund 6% im Minus. Nach zwei enttäuschenden Börsenjahren stellt sich die Frage, ob 2017 ein Befreiungsschlag nach oben ansteht? Wir gehen verhalten optimistisch ins Jahr 2017, sehen im Jahresverlauf 2017 jedoch einige Stolpersteine, die an den Börsen weltweit für eine steigende Volatilität sorgen könnten.
Mit Blick auf die heimischen und die globalen Konjunkturaussichten deuten die zuletzt gesehenen Daten auf eine Beschleunigung zum Jahresende 2016 hin, was sich unseres Erachtens in der ersten Jahreshälfte 2017 fortsetzen sollte. Im November wies das KOF-Konjunkturbarometer einen Wert von 102.2 Zählern aus und deutet damit auf eine Fortsetzung der wirtschaftlichen Belebung hin. Wir gehen davon aus, dass das Schweizer BIP in diesem Jahr um 1.5% und – dank der sich beschleunigenden globalen Konjunktur – im kommenden Jahr um 1.8% wachsen wird. Damit dürfte die Schweizer Wirtschaft das Potenzialwachstum von gut 2.0% fast wieder erreichen. Dank der sich beschleunigenden Weltwirtschaft rechnen wir erstmals seit zwei Jahren wieder mit einem positiven Gewinnwachstum bei Schweizer Unternehmen – denn geschätzt 88% der Schweizer Unternehmensgewinne werden im Ausland generiert. Für das Gesamtjahr 2017 rechnen wir im Swiss Performance Index mit einem Gewinnwachstum im mittleren Prozentbereich – zwischen 4% bis 6%. Unsere Prognose ist im Vergleich zur Konsensschätzung auf der konservativen Seite, denn im Schnitt rechnen die Analysten mit einem hohen einstelligen bis niedrigen zweistelligen Gewinnwachstum im kommenden Jahr. Wir führen das erwartete Gewinnwachstum einerseits auf Effizienzgewinne und andererseits auf ein wieder deutlich schnelleres organisches Umsatzwachstum zurück. Die ansprechenden Aussichten für die heimische Konjunktur und die erwartete Gewinnausweitung dürften die zuletzt freundlichere Stimmung an der Schweizer Börse bis weit ins erste Quartal 2017 stützen. Kurz- bis mittelfristig dürfte zudem das steigende Renditeniveau im Anleihenuniversum den Aktienkursen zugutekommen, was für Umschichtungen aus dem Anleihen- ins Aktienuniversum spricht. Völlig sorglos sollten Anleger dennoch nicht ins neue Börsenjahr blicken. Denn zahlreiche Probleme, die 2016 auf die Stimmung drückten, sind nach wie vor ungelöst und können jederzeit wieder aufflammen. Die grössten Risiken für die Märkte sehen wir derzeit auf der politischen Ebene in Europa. Die wahrscheinlichen Neuwahlen in Italien sowie die regulären Wahlen in Frankreich und Deutschland könnten kurzfristig für Unsicherheit sorgen. Wahlerfolge der populistischen Rechten könnten die Zukunftsfähigkeit der Europäischen Union und somit des Euro wieder zum Thema auf dem Börsenparkett machen. Darüber hinaus bleibt die künftige Wirtschaftspolitik des neuen US-Präsidenten Donald Trump mit zahlreichen Fragezeichen behaftet. Wir rechnen zum jetzigen Zeitpunkt ab Mitte des Jahres 2017 mit einer zunehmenden Volatilität am Aktienmarkt in der Schweiz. Aufgrund der Underperformance des SMI gegenüber den anderen Kernmärkten dies- und jenseits des Atlantiks besitzt der Schweizer Aktienmarkt aber ein grosses Nachholpotenzial.
Konklusion:
Die Probleme, die 2016 das Börsenbild prägten, können auch 2017 immer wieder aufflammen. Nach einem ruhigen Start ins neue Jahr rechnen wir mit einer zunehmenden Volatilität.