Mit viel Trara wird gegenwärtig der geplante Börsengang des Kurznachrichtendienstes Snapchat begleitet. Frühestens im März 2017 könnte der Dienst das IPO durchziehen und peilt nach Medienberichten eine Bewertung zwischen USD 20 Milliarden bis USD 25 Milliarden an. Mehr als 150 Millionen nutzen den Dienst täglich, um Nachrichten, Bilder und kleine Videos an ihre „Snapchat-Bekannten“ zu verschicken. Per Snapchat versandte Mitteilungen löschen sich automatisch selbst. Die App gehört bei den 10- bis 19-Jährigen zu den beliebtesten Apps – noch vor Facebook. Snapchat verdient vor allem mit Videowerbung Geld, wobei die Erlöse noch unter der Marke von USD 1 Milliarde liegen, womit der Konzern gemäss den Regeln der US-Börsenaufsicht SEC den Börsenprospekt unter Verschluss halten kann. In diesem Jahr peilt Snapchat einen Umsatz von USD 350 Millionen an, nach USD 60 Millionen im Jahr 2015. Gemäss dem „Wall Street Journal“ soll das Umsatzziel für 2016 bereits erreicht worden sein. Die Marktforscher von eMarketeer prognostizieren, dass der Dienst in diesem Jahr seine Nutzerzahl um 27% steigern kann.
Zugegeben: Es klingt alles vielversprechend. Dennoch ist das IPO aus unserer Sicht nur eines: „Bullshit“, um es politisch unkorrekt auszudrücken. 1. Die Usergruppe der 10- bis 19-Jährigen mag aus Sicht der Werbetreibenden eine sehr attraktive Zielgruppe sein. Allerdings ist sie auch sehr sprunghaft. Kommt ein Trend im Mainstream an, verlieren die Jugendlichen schnell ihr Interesse und springen auf eine neue App auf. Der Dienst hat aus unserer Sicht eine ähnliche Halbwertszeit wie Twitter. 2. Wer als Erziehender einmal in den Snapchat-Account seines Kindes geschaut hat, wird sich angesichts der Sinnlosigkeit der Beiträge entweder schnell an den Kopf greifen oder seinem Kind die Nutzung des Dienstes aufgrund der weitverbreiteten Freizügigkeit – um es politisch überkorrekt auszudrücken – schlichtweg verbieten. Der wirkliche Informationsgehalt des Dienstes geht gegen Null und dürfte somit für die kaufkräftige Kundenschicht der über 25-Jährigen äusserst unattraktiv sein. 3. Der eilige Börsengang wirft an sich Fragen auf. Denn geht Snapchat wirklich im März 2017 an die Börse, hätten Investoren gerade einmal ein halbes Jahr zur Vorbereitung gehabt. Dies könnte daran liegen, dass zahlreiche Marktbeobachter bereits im kommenden Jahr mit einem deutlich weniger dynamischen Nutzerwachstum rechnen. Nach 27% in diesem, könnte es dann im nächsten Jahr nur noch 14% sein. 2018 könnte dieses sogar nur einstellig ausfallen. Aus unserer Sicht wird der Dienst nach einer kurzen Wachstumsphase wieder in der Bedeutungslosigkeit verschwinden. 4. Es fehlt – ähnlich wie bei Twitter – ein nachhaltiges Geschäftsmodell, welches das Unternehmen mittelfristig in die Gewinnzone führen wird. Derzeit besteht es aus der Hoffnung, Milliarden mit mobiler Werbung einzunehmen. Daran sind aber schon andere gescheitert.
Konklusion:
Wer mit dem Gedanken spielt am IPO von Snapchat zu partizipieren, kann sein Geld auch gleich aus dem Fenster schmeissen. Snapchat wird ein ähnliches Schicksal erleiden wie Twitter.