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Jahr 2022

Walt Disney

Die hohen Kosten für den Aufbau des eigenen Streamingdienstes Disney+ haben die Investoren bei der Vorlage des Q3-Zahlen vor wenigen Tagen aufgeschreckt und die Aktie kurzfristig unter Druck gebracht. Die Sparte „Direkte Konsumentenansprache“, in welche Disney+ angesiedelt ist, verbuchte im dritten Jahresviertel einen Verlust von USD 553 Millionen nach USD 168 Millionen im Vorjahr. Und es dürfte noch mehr werden. Der Aufbau von Disney+ und die Integration von Hulu (Video-on-Demand-Service, welcher u.a. Fernsehserien, Spielfilme und Trailer der amerikanischen Medienkonzerne NBC, FOX, ABC und anderer Anbieter streamt) dürften dazu führen, dass die Sparte im vierten Quartal ein Minus von USD 900 Millionen verbuchen wird. Mit einem positiven Ergebnisbeitrag von Disney+ rechnet der Medienkonzern erst im Jahr 2024. Der Aufbau der digitalen Infrastruktur und der Inhalte-Bibliotheken verschlingt einen nicht gerade kleinen Teil der Gewinne, welche die anderen Konzernsparten abwerfen. Denn die Disney-Themenparks oder die Sparte Media Networks lieferten Ergebnisse über dem Vorjahr ab. Auf Konzernebene blieb ein Gewinn von USD 1.35 pro Aktie – deutlich weniger als im Vorjahr und deutlich unter den Analystenprognosen von USD 1.75. Insgesamt kletterten die Kosten auf Konzernebene auf USD 17.5 Milliarden – dies ist ein Plus von gut 55%. Diese Zahlen erinnern daran, dass der Konzernumbau von Walt Disney für alle Beteiligten teuer ist. Langfristig sollte die Restrukturierung jedoch die Gewinndynamik des Konzerns stärken. Anleger sollten sich davon aber nicht verunsichern lassen. Mit Disney+ steht ein Streaming-Dienst in den Startblöcken, welcher Platzhirsch Netflix noch arge Kopfschmerzen bereiten könnte und in Sachen Streaming neue Massstäbe setzen kann. Denn Walt Disney sitzt auf einem kaum erschöpfbaren Schatz an Content und bleibt in Sachen Entertainment die unangefochtene Nummer 1. Allein das Portfolio an Filmen, welche Disney im Jahr 2019 in die Kinos gebracht hat und die dem Konzern Milliardeneinnahmen brachten, lässt erahnen, was Disney+ alles im Angebot haben dürfte. 2019 brachte Disney bisher „Avengers: End Game“ (der erfolgreichste Film aller Zeiten), „Lion King“, „Aladdin“, „Captain Marvel“ und „Toy Story 4“ in die Kinosäle. Im späteren Jahresverlauf werden in den Kinos noch „Frozen2“ und „Star Wars: The Rise of Skywalker“ erwartet – auch dies sind potenzielle Blockbusterfilme. Über Disney+ will der Konzern künftig seine Produktionen exklusiv streamen – Wettbewerber wie Netflix werden dann Filme aus dem Marvel-Universum, von Pixar, aus dem Star-Wars Universum oder klassische Disney-Filme nicht mehr anbieten können. Das Angebot von Disney+ dürfte zwar kleiner sein als jenes von Netflix. Aber die Qualität des Contents von Walt Disney dürfte extrem hoch sein.
Konklusion:
Walt Disney wird in den kommenden Quartalen finanziell unter dem Umbau leiden. Langfristig erhöht sich dadurch jedoch die Gewinndynamik. Die Aktie bleibt ein Kauf. Unser Kursziel liegt bei USD 160.