
Der klassische amerikanische Detailhandel steht derzeit an vielen Fronten unter Druck. Wal-Mart und Co. kämpfen gegen die steigende Macht der Onlinehändler und müssen sich an den sich ändernden Kundenbedürfnissen neu ausrichten. Doch seit Wochen gibt es eigentlich nur noch ein Thema: Den Markteintritt des Billigdiscounters Lidl. Mitte Juni dieses Jahres will Lidl nach drei Jahren Vorarbeit die erste Filiale eröffnen und dann kräftig expandieren. Für das laufende Jahr peilt der deutsche Discounter an, insgesamt 20 Filialen in Virginia, North Carolina und South Carolina zu eröffnen. 2018 sollen weitere 80 Filialen an der US-Ostküste von Georgia bis New Jersey entstehen. Lidl will gute Qualität zu niedrigen Preise anbieten, 90% des Warenangebots sind Eigenmarken und Service wird eher kleingeschrieben. Ein ähnliches Konzept verfolgt auch Aldi in den USA – seit gut vier Jahrzehnten. Angesichts der Offensive läuten bei Wal-Mart die Alarmglocken. Denn die Amerikaner haben bereits schlechte Erfahrungen mit Lidl gemacht – in Grossbritannien. Als Lidl vor etwas mehr als 20 Jahren auf den Markt auftauchte, traf dies die britische Wal-Mart-Tochter Asda ins Mark. Denn dem Lidl-Konzept von guter Qualität zu niedrigen Preisen hatte Asda nur wenig entgegenzusetzen – eine Erfahrung, die Wal-Mart auf dem Heimatmarkt mit aller Macht verhindern will. Die Stellschrauben hat Doug McMillon dafür bereits angezogen. Der Konzern setzt mittlerweile verstärkt auf Eigenmarken, versucht die Preise zu senken und will das Bezahlen mit dem Smartphone beschleunigen. Darüber hinaus verstärkt McMillon mittel strategischer Übernahmen das Digitalgeschäft. Wal-Mart kaufte im September das Online-Start-up Jet.com für USD 3.3 Milliarden, im Januar akquirierte der Detailhandelsriese den US-Schuhversender Shoebuy für USD 70 Millionen. Die Offensive ist jedoch nicht nur wegen Lidl notwendig gewesen. Denn Wal-Mart kämpfte vergangenes Jahr mit einem fast unbekannten Problem: Sinkenden Umsätzen. Mittlerweile machen sich die Massnahmen bezahlt. Die Umsätze wuchsen in dem am 30. April beendeten Quartal um 1.4% und damit etwas stärker als von Analysten im Schnitt erwartet wurde (+1.3%). Der Online-Umsatz, lange Zeit ein eher darbendes Geschäftsfeld, legte um 63% zu. Für das laufende zweite Quartal peilt Wal-Mart ein Umsatzplus zwischen 1.5% und 2.0% an. Aus unserer Sicht hat der Detailhandelsriese die richtigen Stellschrauben angezogen, um die Herausforderungen erfolgreich zu meistern. Der Markteintritt von Lidl dürfte zwar etwas belasten, aber den Konzern nicht vor unlösbare Aufgaben stellen.
Konklusion:
Wal-Mart hat aus unserer Sicht die richtigen Stellschrauben angezogen, um sich seinen Herausforderungen zu stellen. Kaufen Sie die Aktie.