Endet der Höhenflug der Hochzinsanleihen mit einem Knall?
Die Suche nach halbwegs attraktiven Renditen hat in den Jahren nach der Finanzkrise zu einem regelrechten Run auf europäische Hochzinsanleihen geführt. Das tiefe Zinsumfeld und die Wertpapierkäufe durch die Europäische Zentralbank haben bei klassischen Staatsanleihen und Unternehmensbonds zu einem massiven Renditeverfall ausgelöst. Zeitweise lag die Rendite im negativen Bereich, was Anleger in zunehmenden Masse in das renditeträchtigere Hochzins-Anleihen-Segment getrieben hat. Bisher hatten sie mit dieser Strategie Erfolg. Allein in diesem Jahr verzeichnen europäische Anleihen mit einem Rating von „BB+“ und schlechter ein Plus von 5.1%. Doch diese Entwicklung hat ihren Preis. Denn durch den Run auf die europäischen Hochzinsanleihen hat sich die durchschnittliche Rendite Anfang des Monats auf 2.25% zurückgebildet. Damit werden sie zu Preisen gehandelt, die auch für zehnjährige US-Anleihen mit einem „Triple-A“-Rating verlangt werden. Selbst 2007, auf dem Höhepunkt des damaligen Booms, warf das Anlagesegment eine mehr als doppelte so hohe Rendite ab. Auch im Vergleich zum Aktienmarkt ist das gegenwärtige Bewertungsniveau europäischer Hochzinsanleihen extrem hoch. Zum Vergleich: Die Dividendenrendite europäischer Unternehmen (MSCI Europe) liegt derzeit oberhalb von 3%. Damit lassen sich am europäischen Aktienmarkt also höhere laufende Erträge erzielen als im Segment der Hochzinsbonds. Ein Phänomen, welches wir in dieser Ausprägung in den vergangenen zwei Jahrzehnten noch nie beobachten konnten. Die Risikoaufschläge für das hochriskante Anlagesegment sind gegenüber als sicher geltenden deutschen Bundesanleihen fast auf den Stand aus dem Jahr 2007 gesunken – bevor die Finanzkrise ihren Verlauf nahm. Die Rallye der letzten Jahre machen Hochzinsanleihen für eine kräftige Korrektur mehr als anfällig – mittlerweile bringen sich immer mehr professionelle Vermögensverwalter gegen diese in Stellung. So hat Allianz Global Investors damit begonnen, ihr Exposure im europäischen High-Yield-Segment zu reduzieren. Gemäss Daten von Bloomberg sichern sich zudem immer mehr Institutionelle gegen mögliche Verluste in diesem Bondsuniversum ab. Ein Problem bzw. Brandbeschleuniger der Kurskorrektur könnte zudem vom ETF-Markt ausgehen. Denn in den letzten Jahren sind massenhaft Investorengelder in High-Yield-ETF geflossen. Allein im Juli flossen nach Angaben von Blackrock weltweit USD 2.7 Milliarden in dieses Segment. Zum Vergleich: Im gleichen Zeitraum flossen USD 4.8 Milliarden in ETF auf Anleihen mit guter Bonität. Sollte eine Panik die Anleger ergreifen, könnte der Abverkauf von High-Yield-ETF zu einer schnellen, massiven Korrektur am Hochzinsanleihenmarkt führen.
Konklusion:
Europäische Hochzinsanleihen haben ein gefährlich hohes Bewertungsniveau erreicht. ETF könnten eine überfällige Korrektur beschleunigen. Verkaufen Sie Ihre Positionen in diesem Segment!