Ein rekordtiefer Leitzins und die milliardenschweren Wertpapierkäufe durch die Europäische Zentralbank EZB haben das Marktumfeld in Europa in den vergangenen Jahren entscheidend geprägt. Doch so schön die Droge des billigen Geldes auch sein möge, irgendwann geht jede Party einmal zu Ende. Davor hat jüngst auch EZB-Direktor Benoit Coeure gewarnt. Die Phase der ultralockeren Geldpolitik wird in nicht allzu ferner Zukunft ein Ende finden – eine Wende, auf die sich Regierungen und Wirtschaftsakteure nun einstellen sollten. „Ich hoffe, dass die Regierungen in der Euro-Zone wissen, dass die Zinsen nicht auf dem aktuellen Niveau bleiben werden“, sagte das Mitglied des sechsköpfigen Führungsgremiums der EZB. Wie wir mehrfach geschrieben haben, rechnen wir damit, dass die EZB ab Sommer/Herbst dieses Jahres die Märkte auf eine Normalisierung der Geldpolitik vorbereitet und zunächst das Wertpapierkaufprogramm termingerecht beenden wird. Ab Mitte/Ende 2018 dürfte die EZB, sofern die Konjunktur von neuen Schocks verschont bleibt, die erste Leitzinsanhebung vorbereiten. Die EZB wird peinlichst genau darauf achten, dass sie durch ihre geldpolitische Normalisierung keinerlei Überreaktionen am Aktien- und Anleihenmarkt auslösen wird. Sprich, sie wird versuchen, einen graduellen Renditeanstieg am Anleihenmarkt anzustreben, um die Marktteilnehmer nicht durch eine Hauruck-Aktion in Panik zu versetzen. Denn viele Anleger haben sich aufgrund der niedrigen Anleihenrenditen am Aktienmarkt positioniert, zugleich aber auch Anleihen mit langer Laufzeit gekauft, um sich gegen die Risiken der Aktienanlage abzusichern. Wir gehen davon aus, dass die EZB auch bei der Normalisierung einen guten Job macht und unter normalen Umständen keine panikartigen Verkaufswellen auslöst. Viel grössere Sorge bereitet uns hingegen der Typ Anleger, der sich in den vergangenen Jahren aufgrund der niedrigen Renditen in immer risikoreichere Anlagen gestürzt hat: Sie könnten panisch reagieren, wenn die Kursausschläge infolge des Endes der Wertpapierkäufe der EZB deutlich grösser werden. Vor allem im Bereich der Hochzinsanleihen könnte sich u.E. Panik breitmachen. Denn am High Yield Markt hätten 30% bis 40% der Käufer keinerlei Erfahrung mit diesen Papieren. Sie könnten sich zu Tode erschrecken, wenn ihnen bewusst wird, welche Risiken sie sich eigentlich ins Depot geholt haben, so der Vermögensverwalter im Gespräch. Viele dieser Marktteilnehmer seien nicht in der Lage, die Bonität der Unternehmen, von denen sie Anleihen gekauft haben, richtig einzuschätzen. Das könnte für viele Anleger ein böses Erwachen geben, so der französische Asset Manager.
Konklusion:
Wir rechnen damit, dass die EZB die Märkte ab Sommer/Herbst 2017 auf eine Normalisierung der Geldpolitik vorbereitet. Es könnte eine höchst spannende Phase anstehen.