
Unsere pessimistischen Aussichten auf den internationalen Automarkt scheinen sich zu bewahrheiten. Den beiden wichtigen Automärkten USA und China scheint nach Jahren des ungebremsten Wachstums nun die Luft auszugehen. Gemäss Schätzungen des Fachmagazins „Automotive News“ setzte die US-Branche im Februar 1.28 Millionen Fahrzeuge ab – was einem Minus von 1.2% gegenüber dem Vorjahreszeitraum entspricht. Wir vermuten zudem, dass die noch immer hohen Absatzzahlen in den USA nur mit teuren Rabatten erkauft wurden. Diese dürften nach Ansicht von amerikanischen Marktbeobachtern gut 10% des durchschnittlichen Verkaufspreises erreicht. Mit Blick auf das Gesamtjahr erwarten Marktbeobachter, dass der Gesamtmarkt 2017 stagnieren werde – eine aus unserer Sicht zu optimistische Sicht. Wir schätzen, dass der Markt nach Jahren des Wachstums gesättigt ist. Wir erwarten, dass der US-Gesamtmarkt im Jahr 2017 im tiefen bis mittleren einstelligen Prozentbereich schrumpfen wird. Auch in China scheint sich die Situation auf dem Automarkt zu verspannen. Dank staatlichen Steueranreizen, Peking halbierte die Umsatzsteuer auf Fahrzeugen mit Motoren bis 1.6 Litern auf 5%, konnte die Branche im zurückliegenden Jahr den Autoabsatz noch um starke 15% im Vergleich zum Jahr 2015 steigern. Zu Beginn des Jahres lief die staatliche Massnahme aus und die Umsatzsteuer wurde auf 7.5% erhöht. Sie soll bis Ende des Jahres wieder auf 10% angehoben werden. Bereits im Januar schlug dies auf den Markt durch. Nach Angaben der staatlich unterstützten China Association of Automobile Manufacturers wurden im Januar insgesamt 2.2 Millionen Pkw verkauft. Das seien 1.1% weniger als im Vorjahr. Insgesamt rechnet die Branche, die Verkäufe in China im laufenden Jahr nur noch zwischen 3% bis 5% zu steigern. Wir gehen davon aus, dass das Marktwachstum am unteren Ende zu liegen kommt. Vor allem die Steuerhöhungen dürften den Markt deutlich stärker ausbremsen als dies bis dato antizipiert wird.
Vergleichsweise gut läuft es für die Autobauer derzeit in Europa – so stiegen nach Angaben des Branchenverbands Acea die Zulassungen im Januar um 10%. Allerdings geriet der wichtige deutsche Automarkt bereits im Februar stark ins Stocken. Insgesamt schrumpfte der Automarkt (gemessen an den Neuzulassungen) in Deutschland im Februar im Vorjahresvergleich um 2.6% auf 243‘602 Pkw. Angesichts der Gesamtentwicklung erachten wir die Kurserholung bei zahlreichen Autotiteln in den zurückliegenden Monaten für übertrieben. Wir halten an unserer „Untergewichtung“ des Automobilsektors fest und empfehlen zahlreiche Aktien aus der Branche – darunter auch VW – zum „Verkauf“.
Konklusion:
Nach einem rekordverdächtigen Jahr 2016 dürfte die Branche 2017 kleinere Brötchen backen. Wir fürchten margenbelastende Preiskriege in den USA und einen stagnierenden China-Markt.