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Jahr 2022

Valeant

Wer hoch fliegt, kann tief abstürzen – diese Erfahrung macht seit Monaten der einstige Börsenliebling Valeant. Der kanadische Pharmakonzern wurde hierzulande durch die USD 1 Milliarde-Übernahme Sprout praktisch über Nacht zu einer bekannten Grösse. Sprout stellt die sog. „Pink Viagra“ her – eine angebliche Lustpille. Wir zweifelten schon damals A) am Sinn des völlig überteuerten Deals sowie B) am Erfolg der „Pink Viagra“. Laut Gerüchten am Markt hatten wir mit dieser kritischen Sicht recht. Zwar liegen keine offiziellen Zahlen vor. Doch aus der Gesundheitsbranche kamen im November 2015 Meldungen, wonach die Verschreibungen lediglich im dreistelligen Bereich lagen. Dass Valeant an einer Investorenkonferenz jüngst miese Zahlen vorgelegt hat, überrascht daher nicht. Sie lagen allesamt deutlich unter den Erwartungen. Doch dies ist vielleicht das noch kleinste Problem des Unternehmens. Denn Valeant legte nur ungeprüfte, vorläufige Geschäftszahlen vor – obwohl die Frist zur Vorlage einer testierten Jahresbilanz abgelaufen war. Dies nährt die seit Monaten am Markt herumschwirrenden Gerüchte, wonach bei Valeant nicht alles mit rechten Dingen zugeht. Valeant wird in einem im vergangenen November von Investoren veröffentlichten Bericht vorgeworfen, die Umsätze aufgebläht zu haben, um das versprochene Wachstum zu liefern. Eine zentrale Rolle soll dabei die Versandapotheke Philidor eingenommen haben, die Valeant über eine Kaufoption kontrolliert und auch bilanziert. Über sie sollen Scheinumsätze getätigt worden sein, lauten die Vorwürfe der Investoren. Nach Recherchen des „Wall Street Journal“ sollen Valeant-Mitarbeiter von Büros der Apotheke aus E-Mails verschickt haben, die dem Marketing der Konzernprodukte dienen sollten. Sie nutzten dazu offenbar Phantasienamen. Dass Valeant die Frist zur Einreichung eines testierten Jahresabschlusses nicht einhalten konnte, lässt bei vielen Anlegern die Alarmglocken läuten. Denn der Konzern läuft damit Gefahr, dass er seinen Kreditverpflichtungen nicht mehr nachkommen kann. Die Anleihegläubiger können sogar ein Insolvenzverfahren fordern, wenn spätestens im April nicht Abhilfe geschaffen wird. Der Vorgang weckt Erinnerungen an einen der grössten Bilanzskandale in den USA zu Beginn des Jahrtausends – Enron. Valeant hat seit 2008 rund 140 Übernahmen getätigt und dabei USD 35 Milliarden ausgegeben. Valeant ist ein Geflecht aus Beteiligungen, das kaum durchschaubar ist. Anleger lassen den Titel seit Monaten fallen wie eine heisse Kartoffel. Der Aktienkurs rutschte von über USD 262 im August 2015 auf unter USD 30 ab (-88%). Kann Valeant die Vorwürfe über Unregelmässigkeiten in der Bilanz nicht schnell aus der Welt räumen, dürfte es noch weiter signifikant nach unten gehen. Von daher empfehlen wir, die Aktie trotz der markanten Kursimplosion weiter zu verkaufen.
Konklusion:
Bewahrheiten sich die Vorwürfe gegen den kanadischen Pharmakonzern, ist ein Bilanzskandal perfekt. Wir empfehlen dringend, das Papier zu verkaufen – trotz der bereits erlittenen hohen Verluste.