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US-Wahlen - Biden for President

Auch Joe Biden wird ein harter Verhandlungspartner sein
Als am Wahlabend sehr schnell klar wurde, dass der demokratische Kandidat Joe Biden keineswegs eine „blaue Welle“ ausgelöst hatte, sondern Amtsinhaber Donald Trump einmal mehr seinem Underdog-Strassenkämpfer-Image gerecht wurde und die republikanischen Wähler in Massen an die Wahlurnen gelotst hatte, schwante uns Übles. Ein Kopf-an-Kopf-Rennen ums Weisse Hause und unklare Mehrheitsverhältnisse im Senat – es war das vielfach beschriebene Worstcase-Szenario, welches um alle Fälle vermieden werden sollte. Doch schnell zeigte sich die Wandlungsfähigkeit der Börse: Keine „blaue Welle“ – kein Problem, hiess es plötzlich. Joe Biden sei immer noch auf dem Weg ins Weisse Haus. Und wenn die Republikaner im Senat dennoch die Mehrheit behalten sollten, wäre dies gar nicht so schlecht. Dies würde immerhin verhindern, dass Biden zu weit nach links schwenken würde und Steuererhöhungen – wenn überhaupt – massvoll ausfallen dürften. Seit dem Wochenende steht fest: Joe Biden hat die benötigte Mehrheit von 270 Wahlmännern erreicht und wird – sofern die Gerichte in den USA nichts anderes entscheiden – am 20. Januar 2021 seinen Amtseid ablegen. Dennoch sollten sich Anleger nicht in der Hoffnung wiegen, dass nun alles anders, alles besser, wird. Ja, der Ton zwischen den politisch Handelnden dürfte in den kommenden Jahren wieder deutlich freundlicher und zielführender werden. Schluss mit den Hauruck- und Über-Nacht-Attacken à la Präsident Trump, der damit vor allem Unsicherheit auf allen Ebenen verursachte und eine zielorientierte Diskussion unterminierte. Es sind diese Berechenbarkeit und die höheren staatsmännischen Fähigkeiten von Biden, die sogar die Wall Street als hohes Gut empfindet. Sie favorisieren Biden, obwohl dieser wahrscheinlich die regulatorischen Zügel für Banken, Big Oil und Big Tech anziehen dürfte. Auch die grundsätzlichen Problematiken in den internationalen Beziehungen werden sich nicht auf kurze Sicht aus der Welt schaffen lassen. Trump hat durch seine Art und Weise viel diplomatisches Porzellan zerbrochen. Doch in einigen Punkten hatte Trump nur den salzigen Finger in die bereits offene Wunde gelegt. Das globale Machtstreben Chinas, die bestehenden Ungleichgewichte im internationalen Waren- und Handelsverkehr, die Schräglage und Ineffizienz einiger einst wichtiger Institutionen wie der WTO, der WHO aber auch der UNO oder der industrielle Kahlschlag in den westlichen Ländern – dies sind nur einige Beispiele, die die internationale Staatengemeinschaft endlich angehen muss. Trump hat den Handlungsbedarf offen angeprangert, während andere Politiker über Jahre lieber die Augen verschlossen – dies muss man ihm zugutehalten. Biden wird – davon sind wir überzeugt – allein durch seine rhetorischen Fähigkeiten zahlreiche Konflikte entschärfen können. In der Sache – und das heisst vor allem im Interesse der USA – wird aber auch der neue Präsident hart verhandeln.

Konklusion:
Joe Biden dürfte vor allem die Tonalität wieder in eine zielorientierte Richtung wenden. In den verschiedenen Streitpunkten wird aber auch er hart verhandeln – im Sinne der USA!