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Jahr 2022

US-Konsum in Q1 - statistische Anomalie oder ein ernstes Alarmzeichen

Die jüngsten Daten aus und für die amerikanische Wirtschaft waren bestenfalls durchwachsen. Während sich der Arbeitsmarkt weiter erholt – die Arbeitslosigkeit ist so tief wie seit gut zehn Jahren nicht mehr – und die Löhne wachsen, stieg das amerikanische BIP im ersten Quartal nur um aufs Jahr hochgerechnet enttäuschende 0.7%. Dass das BIP-Wachstum nicht noch schwächer ausfiel, ist allein den anziehenden Investitionen zu verdanken. Denn der eigentliche Pfeiler der US-Wirtschaft, der Konsum, schwächelt und dies in einem kaum für möglich gehaltenen Ausmass. In normalen Zeiten trägt der Konsum gut 65% bis 75% zum BIP bei – in den letzten beiden Jahren sogar noch etwas mehr. Kurzum: Wenn der Konsum nicht läuft, droht dem amerikanischen Wirtschaftswachstum Ungemach.
Entsprechend bereitet uns die Konsumentwicklung in den USA grosse Sorgen. Denn im ersten Quartal betrug der Wachstumsbeitrag des Konsums gerade noch 0.23 Prozentpunkte – also nur ca. ein Drittel dessen, was der Konsum in normalen Zeit beisteuert – zum BIP-Wachstum von 0.7%. Ein Ausrutscher könnte man sagen. Jedoch zeigt der historische Vergleich, wie dramatisch schlecht dieser Wert im ersten Quartal ist. In einer Datenreihe von 185 Quartalen oder 61 Jahren lag der Beitrag des Konsums zum Gesamtwachstum ausserhalb von Rezessionen nur 8 Mal tiefer. Zudem traten diese tiefen Werte fast ausschliesslich kurz vor oder kurz nach einer Rezession in den USA auf. Es liesse sich also ableiten, dass sich die US-Wirtschaft im ersten Quartal 2017 auf dem Weg in eine Rezession befunden habe.
Allerdings gibt es bei diesen Zahlen für das erste Quartal fast traditionell eine statistische Unsicherheit. Oftmals müssen die Daten ein oder gar zwei Mal revidiert werden, um die tatsächliche Lage widerzuspiegeln. Zudem deuten erste Daten für das zweite Quartal zumindest auf einen kleinen Rebound hin. Sollten sich die Daten für das erste Quartal jedoch nicht als statistische Anomalie erweisen und die Entwicklung in Q2 ähnlich schwach bleiben, deutet dies auf eine gravierende Wende in der Wachstumsentwicklung in den USA hin. Das Problem ist, dass das Vertrauen in die US-Wirtschaft derzeit ungebrochen ist. Die US-Notenbank steht mit ihrer Zinserhöhungspolitik symbolisch für diesen Glauben und die Möglichkeit eines Konjunkturabschwungs wird von den Anlegern fast sträflich ignoriert. Die Risiken werden derzeit vollumfänglich ausgeblendet – eine sehr gefährliche Entwicklung.
Konklusion:
Die enttäuschend schwachen Daten für das erste Quartal stützen unsere negative Sicht auf die USA. Manifestiert sich diese Entwicklung in Q2, drohen die USA in die Rezession abzurutschen.