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Unilever

Es war nur ein kurzes Werben des amerikanischen Kraft-Konzerns um den holländischen Lebensmittelmulti. USD 143 Milliarden sollen die US-Amerikaner für den europäischen Wettbewerber geboten haben. Dies entsprach einem Aufschlag von 18% gegenüber dem Unilever-Schlusskurs vor Bekanntgabe des Kaufinteresses. Viel zu wenig, urteilten die Holländer umgehend. Für weitere Gespräche gebe es keine Grundlage, hies es weiter. Kurz danach zogen die Amerikaner ihr Kaufinteresse zurück. Ob Kraft einfach nur die Lage sondieren wollte oder wirklich gehofft hatte, bei Unilever auf Gegenliebe zu stossen, lässt sich derzeit nicht beantworten. Ohnehin wäre der Deal aus unserer Sicht nicht erfolgreich gewesen. Einerseits ging Kraft mit dem eigentlich viel zu niedrigen Angebot von USD 143 Milliarden bereits an seine Schmerzgrenze – ein wesentlich höheres Angebot könnte unseren Analysen zu Folge den Konzern in eine finanzielle Schieflage manövrieren. Andererseits dürfte das holländische Unternehmen mit Sitz in London tatsächlich nur wenig Interesse daran haben, sich unter das Dach von Kraft und somit von zwei ausländischen und sehr aggressiven Investoren (Warren Buffet/Berkshire Hathaway (26.8% an Kraft) und 3G Capital (24.2% an Kraft)) zu begeben. Der strategische Fokus der beiden Investoren liegt auf starken Marken. Die übernommenen Gesellschaften werden akribisch durchleuchtet und Sparpotenzial schonungslos offengelegt. Ein rigoroses Fitnessprogramm ist die Folge. Ein Vorgehen, das bei europäischen Unternehmen nur auf wenig Gegenliebe stösst. Auch der traditionsreiche Unilever-Konzern dürfte einer Filetierung nicht gerade mit Freude entgegenblicken. Themen wie Gleichberechtigung, Diversität und Nachhaltigkeit, die für Unilever zentral sind, spielen für die Amerikaner keine grosse Rolle. Zumal Unilever mit einem Jahresumsatz von EUR 56 Milliarden gut doppelt so gross ist wie Kraft – es geht auch um Stolz.  Wir gehen davon aus, dass Unilever seinerseits nach kleineren Übernahmekandidaten Ausschau hält. Denn das Umfeld ist für alle grossen Lebensmittelanbieter gleich schwierig. Kunden wenden sich verstärkt von Fertigprodukten ab und kaufen hochwertige Nahrungsmittel, die nicht mit Konservierungsstoffen behandelt wurden. Darüber hinaus erschweren die Konsolidierungswellen im Detailhandel das Durchsetzen höherer Preise, und in den Schwellenländern sinkt die Bereitschaft, für Markennamen höhere Preise zu zahlen.  Anleger, die spekulativ auf die Konsolidierungswelle in der Lebensmittelindustrie setzen wollen, sollten ihren Blick auf Unternehmen wie Hain Celestial oder White Wave Foods setzen, die bereits erfolgreich auf der Gesundheitswelle im Nahrungsmittelbereich surfen. Sie dürften bald in den Fokus der traditionellen Anbieter rücken.
Konklusion:
Das „Kaufangebot“ von Kraft war eine Farce, womit sich die jüngst gesehene Preisrallye bei Unilever zurückbilden dürfte. Wir empfehlen, die Aktie zu verkaufen!