
Nach der CS Group hat nun auch die UBS die Weichen für die Zukunft gestellt. CEO Sergio Ermotti wird sein Amt Ende September dieses Jahres abgeben. An seine Stelle tritt der bisherige Chef der niederländischen ING-Bank, Ralph Hamers. Welche Weichen der neue starke Mann am Paradeplatz konkret neu ausrichten will, wollte Hamers bei der Vorstellung seiner Person im Zürcher Grünenhof zwar noch nicht preisgeben. Er wolle sich unter Sergio Ermotti ab Sommer erst einmal in die Welt der UBS einarbeiten. Vor allem der Fakt, dass Hamers bei ING nur wenige Berührungspunkte mit dem Vermögensverwaltungsgeschäft für Ultra High Net Worth Individuals hatte, macht eine mehrmonatige Einarbeitungszeit zwingend. Hamers gilt als Sanierer und Digitalisierer, welcher die einst angeschlagene ING wieder zukunftsfähig gemacht hat.
Bei der UBS warten aber andere Probleme und Herausforderungen auf Hamers. Im operativen Geschäft haben CEO Sergio Ermotti und der Verwaltungsrat in den vergangenen Monaten bereits neue Strukturen und vor allem auch neues Personal an den Schlüsselstellen positioniert. Iqbal Khan baut derzeit das Wealth Management um, Suni Harford leitet seit Oktober 2019 das Asset Management und Piero Novelli und Rob Karofsky trimmen das Investmentbanking. Entsprechend wird Hamers sich auf grössere, strategische Herausforderungen im Hintergrund fokussieren. Intern wird Hamers bei den Mitarbeitern vor allem so etwas wie Aufbruchsstimmung erzeugen müssen. Unter Ermotti erlosch dieses Feuer in den vergangenen Monaten deutlich, wie selbst seine Unterstützer in der Bank eingestehen müssen. Es fehlte Ermotti bei all seinen Erfolgen zuletzt ein wenig an Dynamik, um die UBS-Banker von einer neuen Vision zu überzeugen. Hier wird Hamers ansetzen müssen. Eine neue Zukunftsvision und Forward-Strategie, auch wenn diese mit harten Einschnitten verbunden ist, muss her und vor allem auch bei den Bankern selbst Unterstützung finden. Hierzu zählt auch, dass Hamers der Bank eine griffige Digitalstrategie überstülpt – gerade dafür dürfte Hamers geholt worden sein. Ermotti hat zwar die Wichtigkeit dieses Wandels und der dahintersteckenden Technologie verstanden. Nur bei den Kunden wird die Bank nicht gerade als digitaler Innovator wahrgenommen. Dies wird Hamers ändern müssen, um bei technikaffinen, vermögenden Kunden punkten zu können.
Dies bedeutet zugleich, dass Hamers neue Wege bei der Kundengewinnung gehen muss. Dass die UBS zuletzt ihre Net-New-Money-Ziele strich, darf als deutlicher Hinweis dahingehend interpretiert werden, dass das reine Anhäufen von Kundengeldern nicht der einzige Zweck der Bank sein kann. Es geht darum, das vorhandene Potenzial besser abzuschöpfen und somit die Profite der Bank zu verbessern. Hierzu zählt, dass man im Vermögensverwaltungsgeschäft etwas mehr Mut zum Risiko haben sollte und sich auch jenen Kunden stärker zuwendet, die vielleicht aktuell noch nicht zu den „oberen 10‘000“ gehören – die aber das Potenzial dazu haben, dereinst aufzusteigen. Der Supertanker UBS muss diesbezüglich deutlich beweglicher werden.
Und Ermotti? Die verbleibende Amtszeit des CEO dürfte vor allem vom Steuerstreit mit den französischen Behörden und den rechtlichen Auseinandersetzungen in den USA geprägt sein. Die UBS wäre jedoch gut beraten, den exzellent in Politik und Wirtschaft vernetzten Banker an Bord zu halten und ihn als Nachfolger von Verwaltungsratspräsident Axel Weber zu positionieren. Bisher sprach Weber stets davon bis 2022 das Amt als VR-Präsident ausfüllen zu wollen. Zumindest das Timing würde für Ermotti sprechen. Denn nach einer Abkühlungsphase könnte er im kommenden Jahr zunächst ins Board gewählt und 2022 dann die Präsidentschaft übernehmen.
Konklusion:
Die Wahl von Ralph Hamers ist überraschend und mutig. Aber vielleicht ist dies genau das, was der Supertanker UBS momentan braucht – etwas mehr Beweglichkeit! Wir erhöhen unser Rating auf „Halten“!