
Wenn man den Verantwortlichen in den Vorstandsetagen der beiden Grossbanken Glauben schenkt, so hätte man sich über überraschend gute Zahlen freuen können. Die UBS um CEO Sergio Ermotti frohlockte und sprach von einem „starken Ergebnis“. Unter dem Strich erwirtschaftete die UBS einen den Aktionären zurechenbaren Gewinn von CHF 827 Millionen. Zurückhaltender war die CS Group und konnte dennoch eine gewisse Freude über einen unerwarteten Quartalsgewinn nicht ganz verstecken. Dieser fiel mit CHF 41 Millionen zwar fast in einen fast nicht mehr wahrnehmbaren Bereich aus – aber immerhin keine roten Zahlen. So schön die Zahlen auf den ersten Blick auch erscheinen – wirklich Grund zum Jubeln haben weder die Mannen von der UBS noch von der CS Group. Im Gegenteil zeigen die Quartalsergebnisse, dass die Banken dem zugegebenermassen schwierigen Umfeld derzeit nur wenig entgegenzusetzen haben.
Verluste, die sich nun auszahlen
Der Blick auf das Zahlenwerk der UBS bringt einmal mehr eine Steuergutschrift von gut CHF 400 Millionen zutage. Diese Steuergutschrift resultiert aus der Zeit der Finanzkrise – also vor mittlerweile fast 10 Jahren. Zur Erinnerung: Die UBS setzte damals CHF 20 Milliarden in den Sand, musste mit Steuergeldern gerettet werden und kann diese Verluste nun als Steuergutschrift aktivieren. „Dann verstaute sie diese Verluste in einer Vorratskammer und schrieb an deren Tür: Steuer-Gutschriften für die bessere Zeiten“, kommentiert ein bekannter Schweizer Finanzblog. Und dieses „perverse“ Spektakel dürfte sich noch über Jahre hinziehen. Denn schätzungsweise noch gut CHF 24 Milliarden kann die Bank auf diesem Weg aktivieren. Allerdings kann das nicht über die operative Schwäche hinwegtäuschen. Die Einnahmen sind in den ersten neun Monaten 2016 gegenüber dem Vorjahr um mehr als 10% eingebrochen. Zwar sinken die Kosten weiter, aber nicht in dem Umfang, um die wegbrechenden Einnahmen zu kompensieren. Auch die Gewinnsituation der einzelnen Sparten hat sich deutlich eingetrübt. Mit Ausnahme des US-Wealth-Management-Businesses, wo UBS endlich die Trendwende eingeleitet hat, musste die UBS in allen wichtigen Konzernsparten rückläufige Gewinne ausweisen. Schön, wenn man mit Steuergutschriften das eigentlich triste Bild doch reichlich aufhübschen kann. Eine operative Erfolgsgeschichte klingt in unseren Ohren anders.
Ein lahmes Schlachtross
Wir mögen der CS Group die Freude über den CHF 41 Millionen-Gewinn zugestehen – damit hatte man wirklich nicht rechnen können. Doch die Ergebnisqualität ist nicht herausragend – viele Sonderfaktoren beeinflussten das Ergebnis. Letztlich handelt es sich also auch bei der CS um ein geschöntes Abbild der düsteren Realität. Uns missfällt vor allem die Entwicklung der CS Schweiz – also jener Kernsparte, die eigentlich zum Schlachtross der Bank mutieren sollte. Rekordgewinne und das Sparten-IPO waren und sind die hohen Ziele der obersten Banketage für das Schweizer Geschäft. Vor allem was die Gewinnentwicklung angeht, hinkt das Schweiz-Business mittlerweile meilenweit hinter den Zielen hinterher. Schlappe CHF 431 Millionen warf die Sparte in Q3 ab, nach gut CHF 453 im Vorquartal und CHF 400 Millionen im entsprechenden Vorjahresquartal. Diese Entwicklung ist schlicht und ergreifend schwach. Das Ziel bis 2018 einen Vorsteuergewinn von CHF 2.3 Milliarden zu generieren, erscheint angesichts der mauen Gewinnentwicklung kaum machbar. Zumal es der Schweizer Bank schwerfällt, neue Kunden zu gewinnen. Im dritten Quartal verbuchte CS Schweiz gerade einmal CHF 200 Millionen an Neugeldern – Peanuts für die Ansprüche einer Grossbank. Auf Konzernebene zeigt sich zugleich, dass die Einnahmen wie bei der UBS rückläufig sind. Das Problem: Bei der CS bleiben die Kosten sehr hoch. So lässt sich natürlich kein Gewinn generieren.
Konklusion:
Die operative Entwicklung beider Grossbanken ist enttäuschend. Wir halten dennoch vorerst an beiden Positionen fest, da wir mit einer Fortsetzung der Rallye an den Märkten rechnen.