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Über einen Umweg zur Deregulierung

Die Gedankenspiele des US-Präsidenten Donald Trump über die Wiedereinführung des Trennbankensystems in den USA haben weltweit Schlagzeilen gemacht. Die Trennung vom soliden Privatkundengeschäft und dem risikoreichen Investmentbanking war in den 1930er Jahren als Folge der grossen Depression eingeführt worden. Vor allem unter Präsident Ronald Reagan wurden der Bankenbranche nach und nach die Fesseln abgenommen, bis unter Präsident Bill Clinton im Jahr 1999 auch das Trennbankensystem – der „Glass-Steagall“-Act – offiziell abgeschafft wurde. Viele Kritiker des amerikanischen Bankensystems sehen in der Aufhebung des Trennbankensystems einen Grund für die Finanzkrise 2007/08.
Warum, könnte man sich fragen, will Trump, der sich bisher eigentlich für eine erneute Deregulierung der Bankenbranche ausgesprochen hat, nun der Branche ein System auferlegen, welches die Wall-Street-Banken einst in die Schranken wies? Unserer Ansicht nach könnte sich die Wiedereinführung des Trennbankensystems geradezu als teuflischer Plan herausstellen, durch den die Banken von den Fesseln der seit der Finanzkrise herrschenden Regulierung mehr oder weniger befreit werden sollen. Unter dem Namen „Dodd-Frank-Act“ wurden in den USA nach der Finanzkrise zahlreiche Regulierungsmassnahmen beschlossen, um die Bankenbranche stabiler zu machen. Dazu zählten unter anderem, dass die Banken mehr Eigenkapital vorhalten, sich strenger beaufsichtigen lassen müssen und sie teils weniger auf eigene Rechnung an den Börsen handeln dürfen.
Diese strengere Regulierung wurde möglich, in dem man die Investmentbanken wie Goldman Sachs quasi dazu nötigte, ihren Sonderstatus aufzugeben und sich in eine Banken-Holding umzuwandeln. Dies war notwendig, um an bestimmte Hilfskredite der US-Notenbank zu kommen. Zur Erinnerung: Auf dem Höhepunkte der Finanzkrise war der Markt komplett versiegt, die Musik spielte für einen entscheidenden Moment nicht mehr – ein existenzbedrohendes Risiko. Nach Jahren des Aufschwungs würden viele US-Bankhäuser diesen Status nun gerne wieder loswerden. Nur, dies hat der US-Gesetzgeber verhindert. So können die Banken ihren Holding-Status zwar ändern, aber eben nicht mehr aus der Regulierung rauskommen. Je nach Ausgestaltung eines neuen Trennbankengesetzes könnte Trump die Investmentbanken nun aus diesem Korsett herauslösen, sie von den Regulierungsfesseln befreien und ihnen wieder freie Hand gewähren. Goldman Sachs wäre in diesem Fall wohl der grosse Gewinner. Aber auch die anderen Grossbanken dürften Wege finden, um von den neuen bzw. wieder verfügbaren Freiheiten zu profitieren.
Konklusion:
Trump könnte mit der Wiedereinführung des Trennbankensystems demonstrieren, dass er die Risiken der Finanzbranche bekämpfen will. Hintergründig dürfte dies der Deregulierung Tür und Tor öffnen.