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Jahr 2022

ThyssenKrupp

Über dem deutschen Industriekonzern braut sich eine immer grössere Sturmfront zusammen. Die jüngst veröffentlichten Zahlen für das Geschäftsjahr 2018/19 waren schlicht ein Offenbarungseid. Der Verlust vervielfachte sich und im kommenden Jahr soll es sogar noch schlimmer kommen. Die ohnehin sehr niedrigen Erwartungen der Börsianer wurden meilenweit verfehlt. Dass die Dividende nun gestrichen wird, überrascht wenig und komplettiert das düstere Bild, welches ThyssenKrupp in den letzten Monaten abgegeben hat. Die neue Konzernchefin Martina Merz nutzte die Zahlenvorlage, um wieder einmal gegen ihren Vorgänger nachzutreten und darauf hinzuweisen, dass die Krise des Industriekonzerns wahrscheinlich lange anhalten werde. Nur einen wirklichen Plan zur Besserung konnte sie auch nicht präsentieren. So verfolgt der Konzern mit Blick auf die Zukunft der Aufzugssparte weiter die Möglichkeit eines Verkaufs sowie eines IPOs – obwohl, und darin sind sich mittlerweile eigentlich alle Marktbeobachter einig, der Verkauf alternativlos ist. Dennoch sollen beide Optionen vorangetrieben werden – das kostet wertvolles Geld und Zeit. Auch was den Anlagenbau und das Autokomponentengeschäft betrifft, wiederholt die neue Chefin nur alte Phrasen – ohne bisher auch nur ansatzweise Ergebnisse liefern zu können, wie die künftige Rolle der beiden Sparten im Konzern aussehen soll. Und das Stahlgeschäft, welches nach der gescheiterten Fusion mit Tata Steel wahrscheinlich auch in Zukunft das Rückgrat des Konzerns darstellen wird, wabert derzeit auch noch planlos vor sich hin. Erst im Dezember soll dem Aufsichtsrat ein Zukunftskonzept vorgelegt werden. Wie die Chefin dem Preisdruck, den Überkapazitäten und der schwächelnden Konjunktur begegnen will, bleibt bis dahin ebenfalls ein Geheimnis. Das Zahlenwerk von ThyssenKrupp ist ein Schock. Lichtblicke sucht man vergebens. Vielmehr ist bei uns der Eindruck entstanden, dass die Baustellen innerhalb des Konzerns eher noch grösser als auch nur ansatzweise kleiner geworden sind. Zwar sitzt ThyssenKrupp noch auf einer Goldgrube, denn der Verkauf der Aufzugssparte dürfte zwischen EUR 15 Milliarden bis EUR 17 Milliarden in die Kassen spülen, womit zumindest die Basis für einen Neuanfang und einen Turnaround gelegt ist. Mehr aber auch nicht. Wir haben das Vertrauen in die Konzernführung und den Aufsichtsrat mittlerweile vollständig verloren. Entsprechend halten wir an unserer bisherigen Verkaufsempfehlung unverändert fest.

Konklusion:
Der einstige Stolz der deutschen Industrielandschaft versinkt vollends im Chaos. Horrorzahlen, eine gestrichene Dividende und kein Plan. Viel schlimmer geht‘s nimmer!