
Die jüngst vorgelegten Zahlen für das zurückliegende Geschäftsjahr waren zwar besser als erwartet. Dennoch überwiegt auf unserer Seite die Skepsis. Einerseits verbrennt das Unternehmen noch vor dem Start des mit Spannung erwarteten Tesla 3 extrem viel Geld. Derzeit verfügt das Unternehmen über liquide Mittel in Höhe von USD 3.3 Milliarden. CEO Elon Musk sagte bei der Vorstellung der Zahlen, dass das Geld für die Markteinführung des Tesla 3 reiche. Aber man müsse sehen, „wie weit man an die Risikogrenze gehen wolle“. Legt man einen Minimumbestand von USD 1. Milliarde an liquiden Mitteln fest, dürfte Tesla entsprechend USD 2.3 Milliarden in den nächsten Monaten verbrauchen. Eine neuerliche Kapitalerhöhung scheint somit eigentlich schon beschlossene Sache. In Ausgabe 46/2016 hatten wir dies bereits in Aussicht gestellt. Seit 2012 musste sich Tesla bisher fünfmal frisches Kapital besorgen: September 2012: USD 195 Millionen; Mai 2013: USD 913 Millionen; Februar 2014: USD 2 Milliarden, August 2015 USD 652 Millionen; Mai 2016: USD 2 Milliarden.
Wir fürchten, dass die sich anbahnende neue Kapitalerhöhung weitaus heftiger ausfallen könnte als es derzeit vom Markt antizipiert wird. Denn der Launch des Tesla 3 und der Produktionsausbau – bis zum Jahr 2020 will Tesla die Produktion von derzeit gut 80‘000 auf dann 1 Million Stück ausweiten – sind das eine. Es kommen jedoch noch weitere Kosten hinzu, die in der aktuellen Diskussion etwas untergehen. 1. in einem Brief an die Aktionäre fabulierte Elon Musk bereits über neue Gigafactories (Solarfabriken). „Später in diesem Jahr werden wir uns vermutlich für Standorte für die Gigafactories 3, 4 und möglicherweise 5 entscheiden“, heisst es dort. Damit wären neuerliche Milliardenkosten vorprogrammiert, deren Finanzierung bis dato noch nicht geklärt ist. 2. Tesla wird seine Service-Center massiv ausbauen müssen. Denn sollten bis Ende 2018 wirklich 500‘000 Tesla auf den Strassen der Welt herumfahren, sind 265 Service-Center (Stand: Ende 2016) schlichtweg zu wenig. Auch hier wird der Konzern noch reichlich Geld reinstecken müssen.
Darüber hinaus schätzen wir, dass der Tesla 3 zu Beginn ein markantes Zuschussgeschäft ist. Nach Angaben von Branchenkennern liegen die Produktionskosten des Tesla 3 weit in den USD 40‘000ern, womit bei einem anvisierten Verkaufspreis von USD 35‘000 ein deutlicher Verkaufsverlust zu Buche schlagen dürfte. Kommt erschwerend hinzu, dass die grossen Hersteller mittlerweile mit voller Wucht auf den E-Auto-Markt vorstossen. Ob Daimler, Nissan, Mazdea, Toyota, Chevrolet, Audi, Porsche, VW oder Jaguar – sie alle wollen den Markt in den kommenden fünf Jahren mit neuen E-Modellen dominieren und im Gegenteil zu Tesla verfügen sie dafür über die notwendige Infrastruktur.
Konklusion:
Wir fürchten, dass sich Musk mit seinen Expansionsplänen hoffnungslos verrennt. Die Konkurrenz wächst täglich. Ohne Partner ist Tesla nicht überlebensfähig.