
90‘700 Fahrzeuge – dies ist die magische Grenze, die Tesla-Chef Elon Musk im laufenden Jahr unbedingt übertreffen will. Im Schlussquartal 2018 verbuchte der E-Auto-Pionier mit 90‘700 Autos das auslieferungsstärkste Geschäftsquartal. Und Tesla will diese Marke im laufenden Jahresviertel toppen. Musk selbst sprach dabei von einer „fairen Chance“, den Rekordwert zu knacken. Immerhin sind sich die Marktbeobachter des Branchendienstes „InsideEV“ dahingehend einig, dass Tesla trotz des schwachen ersten Quartals 2019 nicht unter einem Nachfrage-Problem leidet. Im ersten Geschäftsquartal 2019 waren die Auslieferungen massiv um 31% eingebrochen und hatten einen Kurssturz an der Börse ausgelöst. In den USA ist von einer Schwäche aber nichts zu sehen. Allein im Mai soll der Absatz von Tesla um 82% auf 16‘350 Autos regelrecht explodiert sein. Der absolute Verkaufsschlager ist dabei der Tesla 3: Im Mai summierten sich die Verkäufe auf 13‘950 Einheiten – ein Plus von 133% gegenüber dem Vorjahresquartal. Für den laufenden Monat Juni peilt Tesla an, insgesamt 33‘000 Einheiten im Heimatmarkt auszuliefern. Dafür soll Firmenchef Musk den Verkaufsteams einen Extra-Bonus von USD 1‘200 pro Team-Mitglied versprochen haben. Für das zweite Quartal hatte Tesla versprochen, 90‘000 bis 100‘000 Einheiten auszuliefern. Fakt ist aber auch, dass Tesla vor allem mit dem Model 3 punkten kann. Denn das mittlerweile in die Jahre gekommene „Model S“ und der Tesla SUV „Model X“ lösen keinen Kundensturm aus: Die Nachfrage nach dem Model X war im Mai um 5% (1‘375 Fahrzeuge) und die nach dem Model S sogar um 33% rückläufig (1‘025). Ob Musk sein Ziel, den Auslieferungsrekord aus dem Schlussquartal 2018, wirklich knacken kann, erscheint trotz der zuletzt guten Zahlen aber nicht allen Marktbeobachtern wahrscheinlich. Der bekannte Tesla-Kritiker Mark B. Spiegel erwartet, dass es am Ende nur 49‘000 in den USA, 14‘000 in Europa und 6‘000 in Asien – also weniger als 70‘000 – werden und Elon Musk damit erneut seine Prognose verfehlt. Zwar ist das Wachstumstempo sicher eine wichtige Grösse bei der Bewertung der Tesla-Aktie. Aus unserer Sicht ist jedoch wesentlich wichtiger, wie sich die Margen im zweiten Quartal entwickelt haben. Es wird spannend sein, ob es Tesla gelungen ist, die erneuten Preissenkungen durch eine verbesserte Produktion und Sparmassnahmen zu kompensieren. Denn eines ist klar: Grossen finanziellen Spielraum hat der Konzern nicht mehr. Bei Blaine Capital Investment Manager ist man skeptisch. So sagte William Smith, Gründer von Blaine Capital in einem Interview mit dem US-TV-Sender CNBC: „Das Model 3 hat eine schwache Qualität. Wir glauben, Tesla wird wertlos. Das Management ist schwach: Elon Musk ist kein Genie, sondern ein Scharlatan.“
Konklusion:
Trotz der immensen Kursverluste sind wir von den langfristigen Aussichten von Tesla vollends überzeugt. Tesla ist Technologieführer und unbestrittener Branchenprimus.