
Die vergangenen Jahre waren bei der britischen Supermarktkette Tesco vom Kampf um Marktanteile geprägt. Denn der Einstieg der Billig-Discounter Aldi und Lidl sorgten für massive Bewegung auf dem über Jahrzehnte festgefahrenen britischen Lebensmittelmarkt. Mit tiefen Preisen und einem breiten Angebot lockten die beiden Neulinge die britischen Konsumenten in Scharen in die Filialen. Zwar halten sie bis dato nur jeweils gut 2% am britischen Lebensmittelmarkt. Aber ihr Anteil steigt stetig. Allein Aldi steckte im vergangenen Jahr fast GBP 400 Millionen in die Expansion in Grossbritannien. Tesco wähnte sich zu Beginn der Expansion der beiden Neulinge noch auf der sicheren Seite. Doch schnell brachen die Umsätze – denn während die Kette Waitrose das obere wachsende Preissegment im Lebensmittelhandel erfolgreich besetzt, und Aldi und Lidl das untere und ebenfalls wachsende Preissegment bearbeiten, setzte Tesco auf das schrumpfende mittlere Preissegment. Konzernchef Dave Lewis reagierte auf die Krise mit Schliessung unrentabler Filialen, der dringend notwendigen Modernisierung, der Optimierung des Produkteangebots und mit Preisreduktionen. Eine Strategie, die zwar Zeit braucht, im dritten Quartal 2016/17 jedoch endlich Erfolg zeigte. Denn Tesco konnte erstmals seit dem Jahr 2011 wieder steigende Marktanteile verzeichnen. In dem bis Ende November reichenden dritten Geschäftsquartal konnte der Konzern den Umsatz auf vergleichbarer Verkaufsfläche weltweit um 1.5% steigern. Auf dem britischen Heimatmarkt fiel das Plus mit 1.8% sogar noch etwas höher aus.
Die operativen Erfolge scheinen auch dem Management neuen Mut zu geben. Statt nur auf die Expansion von Lidl und Aldi reagieren zu wollen, geht Tesco nun in die Offensive. Für GBP 3.7 Milliarden will der Konzern den britischen Lebensmittelgrosshändler Booker Group übernehmen. Das Angebot entspricht einem Preis von 205.3 Pence pro Booker-Aktie, was einem 12%igen Premium gegenüber dem letzten Schlusskurs vor Bekanntgabe des Deals entspricht. Nach Abschluss der Transaktion sollen Booker-Aktionäre etwa 16% an dem fusionierten Unternehmen halten. Der Lebensmittelgrosshändler hat sich auf Caterer, Restaurant und andere Gewerbetreibende konzentriert und erzielte im vergangenen Geschäftsjahr einen Umsatz von rund GBP 5 Milliarden. Ab dem dritten Jahr nach der Übernahme sollte sich der Vorsteuergewinn nach Angaben von Tesco um mindestens GBP 200 Millionen pro Jahr erhöhen. Ausserdem soll der Zusammenschluss jährliche Einsparungen in Höhe von GBP 175 Millionen bringen. Sollte der Deal in trockene Tücher gewickelt werden, verfügt Tesco über eine deutlich bessere Verhandlungsposition gegenüber seinen Lieferanten und sichert sich zugleich einen grossen Teil des britischen Convenience-Food-Marktes.
Konklusion:
Die Übernahme von Booker ist zwar nicht billig. Langfristig stärkt Tesco aber seine Position auf dem britischen Lebensmittelmarkt. Wir empfehlen, die Aktie mit einem Kursziel bei GBP 2.80 zu kaufen!