
US-Profianleger sind bullish wie selten
Die Aufwärtsbewegung am amerikanischen Aktienmarkt hat sich in der zurückliegenden Berichtswoche fortgesetzt. Der S&P500 Index hat den Crash mittlerweile komplett verdaut und notiert auf Höhe des Allzeithochs unmittelbar vor dem Februar/März Crash. Und wenn es nur nach den Profis ginge, würde sich die Rallye wohl noch einige Wochen hinziehen. Denn die institutionellen Anleger haben sich weiter extrem bullish positioniert. An der Chicagoer Terminbörse CBOE verharrt das Put-Call-Verhältnis auf einem extrem niedrigen Niveau. Für Aktien liegt es aktuell gar auf dem tiefsten Stand seit dem Jahr 2015. Dies ist eine extrem bullishe Positionierung. Auch die hohe Investitionsquote der US-Fondsanleger spricht für diesen überbordenden Optimismus. Diese lag zuletzt bei 101% – sprich sie wetten gehebelt auf steigende Notierungen. Der Markt scheint nach und nach in extreme Gier zu verfallen. Eine Erwartungshaltung, die sich in der bisherigen Börsengeschichte in der Regel als Kontraindikator erwiesen hat. Die Liquiditätsrallye, welche den S&P500 in luftige Höhe angetrieben hat, könnte daher auf ihren vorläufigen Zenit zulaufen und eine Korrektur wahrscheinlich erscheinen lassen. Aus fundamentaler Sicht lässt sich die sehr bullishe Positionierung der amerikanischen Börsenprofis derzeit kaum noch erklären. Zwar erholt sich die Wirtschaft, aber von einem konjunkturellen Boom sind die Vereinigten Staaten gegenwärtig noch weit entfernt. Zumal das ungebrochen hohe Pandemiegeschehen in den USA die Sorgen über eine Abflachung der wirtschaftlichen Erholung deutlich steigen lässt. Erschwerend kommt hinzu, dass der amerikanische Präsidentschaftswahlkampf in die finale Phase eintritt. Amtsinhaber Donald Trump dürfte versuchen, mit allen Mitteln seine Wiederwahl vorzubereiten und dabei noch schärfer gegen seine politischen und wirtschaftlichen Feinde schiessen. Dies dürfte vor allem die geopolitischen Spannungen mit China weiter anheizen. Auch das zähe Ringen um ein weiteres Hilfspaket, um die gravierenden wirtschaftlichen Folgen der Pandemie abzufedern, nimmt kein Ende. Kurzum: Wir können die bullishe Stimmung nicht mehr nachvollziehen. Der Markt befindet sich in einer Phase extremer Gier, welche von den Liquiditätsspritzen der Notenbank immer weiter angeheizt wird. In der Summe ergibt dies ein hochexplosives Gemisch. Wir lassen die Gewinne vorerst weiter laufen, sind aber bereit, uns schnell und breit aus dem amerikanischen Markt zu verabschieden.
Konklusion:
Der US-Aktienmarkt scheint uns zunehmend überhitzt. Liquidität und Gier bestimmen das Handelsgeschehen. Eine Gemengelage, die hochexplosiv ist.