
Den Schock nach den massiven Ausverkäufen in der zweiten Mai-Hälfte haben die Schweizer Anleger noch nicht ganz verdaut. Zwar gab es zuletzt Anzeichen einer leichten Erholung – der Swiss Market Index hat sich vom 52-Wochen-Tief bei 8‘456 Zählern Ende Mai wieder deutlich abgesetzt. Allerdings fehlt den Anlegern derzeit der Mut, um die vergleichsweise tiefen Kursniveaus als attraktive Einstiegsmöglichkeit zu nutzen. Die Zurückhaltung widerspiegelt sich gegenwärtig auch im MACD- und Stochastik-Indikator. Beiden statistischen Masszahlen gelang es bis dato nicht, ein neues, kräftiges Kaufsignal auszubilden – auch wenn die Tendenz beider Indikatoren gegenwärtig in diese Richtung zeigt. Die Handelsvolumina haben sich auf einem im Vergleich zum Frühjahr 2018 leicht tieferen Niveau stabilisiert – auch dies macht deutlich, dass die Anleger derzeit lieber an der Seitenauslinie verharren als vorschnell in den Markt einzusteigen. Die konjunkturellen und geopolitischen Unsicherheiten wiegen schwer und dürften das Marktgeschehen auf absehbare Zeit weiter fest im Griff haben.
Unsere Prognosen für die verschiedenen Anlagehorizonte
Die Reaktion der Marktteilnehmer auf den diplomatischen Eklat in Folge des G7-Gipfels in Kanada hat uns überrascht. Die Anleger kauften entgegen unseren Erwartungen kräftig zu. Dies kann als Hinweis darauf interpretiert werden, dass sich die Marktteilnehmer an den wirtschafts- und aussenpolitisch aggressiven Ton des amerikanischen Präsidenten gewöhnt haben: Es wird schon alles nicht so schlimm werden, und überhaupt, vielleicht hat der Präsident mit seinen Vorwürfen in Richtung seiner wichtigsten Handelspartner sogar Recht. Eines hat der US-Präsident aber zumindest bereits erreicht: An vielen Börsen in Europa herrscht Orientierungslosigkeit. Kurzfristig sollte der Schweizer Markt den Performance-Rückstand zu anderen Aktienmärkten etwas verringern – so schlecht, wie es der SMI derzeit signalisiert, geht es den Schweizer Unternehmen wirklich nicht. Allerdings gibt es konjunkturelle Unsicherheiten, die den Markt mittelfristig belasten könnten. Die deutsche Wirtschaft – einer der wichtigsten Handelspartner der Schweiz – ist gemäss den ersten statistischen Daten nur sehr verhalten ins zweite Quartal gestartet. Keine guten Vorgaben, für die in gut einem Monat beginnende Q2-Berichtssaison in der Schweiz.
Konklusion:
Anleger sollten trotz des widrigen Gesamtmarktumfelds mit ruhiger Hand handeln. Setzen Sie klar definierte Stopp-Loss-Limiten und ziehen diese ggf. entsprechend nach!