
Die Stimmen, die vor einer länger anhaltenden Durststrecke an den europäischen Aktienmärkten warnen, werden immer lauter. Insgesamt hat sich die Gemütslage der Investoren in Europa angesichts der bestehenden Belastungsfaktoren zuletzt weiter eingetrübt und jegliche Erholungsbemühungen am Markt zunichtegemacht. Derzeit werden auf dem Handelsparkett vor allem die Flut an Gewinnwarnungen europäischer Unternehmen, die Wachstumsschwäche Chinas sowie die desaströse Haushaltspolitik Italiens diskutiert. Die miese Stimmung spiegelt sich auch im MACD- sowie im Stochastik-Indikator wider, die in der zurückliegenden Berichtswoche keine wesentliche Trendwende einläuten konnten, sondern im Gegenteil die zuvor ausgebildeten Verkaufssignale bestätigten. Immerhin scheint das weitere Abwärtspotenzial zumindest auf kurzfristige Sicht begrenzt. Der Relative-Stärke-Index notiert aktuell bei gut 31 Punkten und liegt somit erneut in der Nähe des überverkauften Bereichs unterhalb der 30-Punkte-Marke. Allerdings warnen einige Marktbeobachter, dass der Markt nochmals einen kräftigen Ausverkauf erleben müsse, bevor eine grundlegende Trendwende einsetzen werde. Ein solcher Sell-off könnte den Euro Stoxx50 deutlich in die Tiefe reissen. Denn die nächste starke Unterstützungszone orten wir erst im Bereich um 3‘000 bis 3‘050 Punkten.
Unsere Marktprognosen
Unsere Hoffnung auf eine kräftige Jahresendrallye schwindet. Vor allem das Tempo, mit welchem die globale Konjunkturabkühlung auf Unternehmensseite durchschlägt, hat uns negativ überrascht. Wir halten die Furcht vor einer globalen Rezession gegenwärtig noch für übertrieben. Dass sich das Konjunkturbild jedoch überraschend stark eintrübt, kann nicht mehr von der Hand gewiesen werden. Wir reduzieren unser Rating für Aktien aus der Eurozone kurzfristig auf „neutral“ mit negativer Tendenz. Die Risiken haben deutlich an Gewicht gewonnen. Der italienische Aktienmarkt steckt nun auch offiziell im Crash-Modus: Gemessen am Jahreshoch hat der FTSE MIB mittlerweile 22% verloren. Auch der deutsche DAX nähert sich dem Crash-Niveau gefährlich nahe: Satte 15% hat der Leitindex gegenüber dem Jahreshoch eingebüsst. Ebenso düster ist die Entwicklung in Spanien (-17%) oder beim Brüssler BEL 20 Index (-16%).
Konklusion:
Das Aktienmarktumfeld in Europa hat sich spürbar eingetrübt. Die Sorgen vor einem markanten Konjunkturabschwung wachsen. Wir stufen Euro-Aktien auf „neutral“ mit negativer Tendenz zurück.