
Die Liberalisierung des europäischen Zuckermarktes hat die Analysten von Goldman Sachs zu einer vergleichsweise düsteren Prognose verleitet. Sie rechnen damit, dass der Zuckerpreis pro Tonne infolge der Liberalisierung in den kommenden Monaten noch um gut 10% sinken werde und bis auf USD 400 sinken könnte. Die Krux: Er dürfte auch auf absehbare Zeit tief bleiben. Bisher ist der europäische Zuckermarkt durch eine Quotenregelung stark vor dem internationalen Wettbewerb geschützt. Die Regelung sieht vor, dass die Zuckerhersteller der EU höchstens 85% der innerhalb der Gemeinschaft benötigten Mengen auf den Markt bringen dürfen. Die restlichen 15% wurden importiert. Allerdings sind auch diese 15% stark reglementiert: Nur eine Handvoll privilegierter Länder kamen mit zollfreien Quoten zum Zuge. Für alle anderen wirkte ein hoher Zollsatz von EUR 419 Euro pro Tonne als Barriere zum Markt. Nach dem Ende der Zuckerquote in Europa im Oktober unterliegt die europäische Zuckerproduktion keinerlei Beschränkungen – lediglich der Zoll bleibt über 2017 hinaus in unveränderter Höhe bestehen. Die Quote, Mindestpreise für Quotenrüben oder Produktionsabgaben fallen ab 1. Oktober weg. Marktbeobachter rechnen damit, dass die Zuckerproduzenten in der Folge ihren Ausstoss deutlich erhöhen, um ihre Marktanteile zu verteidigen bzw. auszubauen – eine ähnliche Vorgehensweise in der Ölbranche verschärfte in den vergangenen Jahren den Preisverfall. Analysten erwarten, dass die Zuckerproduzenten nach dem Ende der Zuckerquoten ihren Ausstoss zwischen 7% bis 10% erhöhen werden. Zugleich sinkt die Nachfrage nach weissem Zucker seit Jahren mehr oder weniger kontinuierlich. Im Jahr 2000/01 lag der Pro-Kopf-Verbrauch in Deutschland noch bei über 35 Kilogramm. Nach Angaben des Statistischen Bundesamtes sank der Verbrauch bis 2014/15 bis auf unter 32 Kilogramm – Tendenz weiter abnehmend. Wir hatten die Aktie von Südzucker in Ausgabe 20/2016 bei EUR 16.53 zum Kauf empfohlen und nach einer kräftigen Rallye in Ausgabe 38/2016 bei 23.67 auf „Halten“ zurückgestuft. Der Titel stieg bis Februar dieses Jahres zwar noch auf über EUR 25. Seitdem ist das Papier im Sinkflug, wobei Goldman Sachs mit ihrer Studie den Kursabschwung zuletzt deutlich beschleunigte. Der Vorstand von Südzucker hat jüngst angekündigt, den eingeschlagenen Sparweg fortsetzen zu wollen, um für die künftigen Herausforderungen gewappnet zu sein. Sollte sich die Zuckerpreisprognose von Goldman Sachs bestätigen, erscheinen uns die bisherigen Gewinnschätzungen auf Stufe Ebit von Südzucker derzeit als nicht erreichbar und müssten um gut 25% gesenkt werden. Wir sind überzeugt, dass Südzucker an den richtigen Stellschrauben dreht, um auch künftig erfolgreich auf dem Markt zu arbeiten. Allerdings wird dieser Prozess noch Zeit in Anspruch nehmen.
Konklusion:
Die Südzucker-Aktie dürfte auf mittelfristige Sicht unter Druck bleiben. Neu-Investments drängen sich trotz des Kurseinbruchs derzeit nicht auf. Investierte Anleger sollten die Aktie halten!