
Wir stehen der Aktie der amerikanischen Kaffeehauskette seit geraumer Zeit sehr kritisch gegenüber. Zuletzt hatten wir den Titel in Folge des unerwartet angekündigten Chefwechsels in Ausgabe 45/2016 bei USD 57.50 zum „Verkauf“ empfohlen. Damals hatte CEO Howard Schultz seinen Rücktritt per Anfang April 2017 angekündigt, was die Anleger stark verschreckt hatte. Vergangene Woche mussten die Starbucks-Aktionäre den nächsten Rückschlag hinnehmen. Die Vorlage der Zahlen für das erste Quartal des Geschäftsjahres 2016/17 kam an der Börse überhaupt nicht gut an. Es wäre zwar übertrieben, eine Krise bei der Kaffeehauskette herbeizureden. Aber die Wachstumsdynamik scheint allmählich abzuflachen. Im ersten Quartal stieg der Konzerngewinn um mehr als 9% auf USD 752 Millionen und die operative Marge kletterte auf 19.8%. Der Umsatz legte um 5.6% auf USD 5.7 Milliarden zu. Die Zahl ihrer Filialen erhöhte die Kette um 649 auf 25‘734.
Vor allem die Umsatzentwicklung ist schwach. Nicht nur, dass Analysten im Schnitt mit Erlösen in Höhe von USD 5.8 Milliarden gerechnet hatten, belastet. Viel mehr hat sich das Wachstum in den USA deutlich abgeschwächt: Im ersten Quartals stiegen die Erlöse auf dem wichtigen Heimatmarkt USA nur noch um 3%. Auch das operative Ergebnis in der Region Amerika konnte nur noch um 3% gesteigert werden. In Asien konnte Starbucks den Umsatz und das operative Ergebnis zwar im zweistelligen Prozentbereich steigern. Dies vermochte die Wachstumsverlangsamung in den USA aber nur teilweise zu kompensieren. Zum Vergleich: Im Vorquartal konnte die Kaffeehauskette die Umsätze noch um gesamt 16% steigern. An der schwachen Umsatzentwicklung in den USA scheint sich nach Ansicht der Unternehmensführung nichts zu ändern. Denn der Konzern revidierte seine Umsatzprognose deutlich nach unten. Stellte Starbucks bis dato ein Erlöswachstum im zweistelligen Prozentbereich in Aussicht, geht der Konzern neu nur noch von einem Umsatzwachstum von 8% bis 10% aus.
Für uns liegen die Gründe auf der Hand. Einerseits geht das Pionier-Image flöten – geradezu inflationär hat Starbucks in den letzten Jahren die Innenstädte besiedelt. Der Coolness-Faktor von einst hat sich längst in Luft aufgelöst. Andererseits haben viele kleinere Kaffee-Shops längst aufgeholt und bieten meist sogar ein besseres Preis-Leistungs-Verhältnis. Starbucks wurde über Jahre als stark wachsendes Unternehmen gesehen, was eine vergleichsweise hohe Bewertung rechtfertigte. Aus unserer Sicht muss dieses Bild nun korrigiert werden – die fetten Wachstumsjahre sind vorbei. Entsprechend sollte die Aktie einer Neubewertung durch die Aktionäre unterzogen werden.
Konklusion:
Starbucks ist in unseren Augen kein starker Wachstumswert mehr, wodurch auch die hohe Bewertung des Titels nicht gerechtfertigt erscheint. Wir sehen den fairen Preis der Aktie bei USD 51!