
Howard Schultz hat vergangene Woche völlig überraschend angekündigt, von seinem Amt als CEO der Kaffeekette mit Wirkung zum 3. April 2017 zurückzutreten. Sein Nachfolger wird Kevin Johnson, der seit vergangenem Jahr als COO das Tagesgeschäft leitet. Anleger reagierten auf die Personalrochade verschreckt und schickten die Aktie auf Talfahrt. Für viele Investoren endet bei Starbucks eine überaus erfolgreiche Ära. Schultz galt als Mastermind der Expansion in den vergangenen gut zehn Jahren. Er übernahm den Posten des CEO 2008, als der Konzern in einer veritablen Krise steckte – acht Jahre nachdem er schon einmal den Vorstandsvorsitz bei Starbucks abgegeben hatte (1987 bis 2000). 2008 verfügte Starbucks über weltweit 16‘680 Stores. Acht Jahre später gibt es global bereits 25‘085 Starbucks-Kaffeehäuser in 75 Ländern am Ende des Geschäftsjahres 2015/16. Zum Vergleich: Den ersten Store ausserhalb von Nordamerika eröffnete Starbucks erst 1996 in Japan. Die Schweiz eroberte die Kaffeekette ab 2001. Im Gleichklang mit der Expansion wuchsen die Geschäftszahlen des seit 1992 gelisteten Unternehmens. Im jüngst abgeschlossenen vierten Quartal seines Geschäftsjahres 2015/16 konnte der Umsatz um 16% auf USD 5.71 Milliarden verbessert werden. Der Gewinn kletterte um 23% auf USD 801 Millionen. Laut Finanzchef Scott Maw war es das profitabelste Quartal seit Starbucks vor mehr als 24 Jahren an die Börse gegangen war. Und die Aktionäre sollen am Erfolg des Unternehmens stärker als bisher partizipieren – die Dividende für das vierte Quartal wurde von bisher USD 0.20 pro Anteilsschein auf USD 0.25 pro Aktie angehoben.
Wir hatten die Aktie des Unternehmens in diesem Jahr in Ausgabe 04/2016 bei USD 58.61 erstmals zum Verkauf empfohlen. Einerseits blieben damals die Wachstumszahlen in Europa und Asien hinter den Erwartungen zurück. Andererseits kämpfte Starbucks mit dem zunehmenden Gesundheitsbewusstsein der Konsumenten. Unsere Empfehlung ging lange Zeit auf – bis Anfang November sackte der Kurs – unter zeitweise hohen Schwankungen – um 12% ab. Seit der US-Wahl zieht der Kurs jedoch kräftig an und notiert mittlerweile wieder in Höhe unseres Erst-Empfehlungsniveaus. Der seit gut einem Jahr anhaltende Abwärtstrend ist mit dem jüngsten Anstieg zumindest vorläufig beendet. Dennoch: Starbucks wird je länger, je mehr mit Problemen kämpfen. Einerseits geht das Pionier-Image flöten – geradezu inflationär hat Starbucks in den letzten Jahren die Innenstädte besiedelt. Der Coolness-Faktor von einst hat sich längst in Luft aufgelöst. Andererseits reagiert die Konkurrenz: Punkto Geschmack und Angebot haben viele kleinere Kaffee-Shops längst aufgeholt – meist sogar überholt und das zu einem besseren Preis-Leistungs-Verhältnis.
Konklusion:
Starbucks ist aus unserer Sicht ein Unternehmen, das je länger, je weniger Kunden in die Läden ziehen kann. Zudem ist die Aktie mit einem KGV 2017 von fast 28 massiv überbewertet.