
Der Knall, welcher an Auffahrt aus der Stadler Rail Konzernzentrale zu hören war, hallt nach. Die völlig überraschende Trennung von CEO Thomas Ahlburg, der erst vor gut zwei Jahren die operative Leitung des Konzerns übernommen hatte, überraschte jeden auf dem Handelsparkett. Die Trennung erfolge „aufgrund von Differenzen hinsichtlich der strategischen und organisatorischen Weiterentwicklung von Stadler“, hiess es in der Mitteilung des Unternehmens. Was genau dahinter steckt, war bisher nicht in Erfahrung zu bringen. Offiziell wird die Trennung nicht weiter kommentiert. Auf dem Handelsparkett wird gemutmasst, dass Gründer und Langzeitchef Peter Spuhler den Konzern gerne aggressiver expandieren lassen würde als es unter Ahlburg der Fall gewesen war. Zwar war Spuhler nach seinem Rücktritt vor gut zwei Jahren in den VR aufgerückt, liess aber schon damals durchblicken, dass er ein aktiver VR werden wolle. Vor allem bei Übernahmen und dem Angebotsprozess bei Grossaufträgen wollte er weiter mitreden – ein möglicher Reibungspunkt zwischen Spuhler und Ahlburg. Nach dem Rücktritt von Ahlburg wird nun wieder Spuhler das Ruder bei Stadler Rail übernehmen. Der Gründer muss nun wieder zwei Hauptaufgaben verfolgen: Den Konzern durch die schwierige Zeit manövrieren und zugleich noch einen neuen Nachfolger suchen. Denn die Nachfolgeregelung dürfte je länger, je intensiver von den Marktteilnehmern beobachtet werden. Aber auch operativ könnte Stadler Rail auf schwierige Zeiten zusteuern. Wir sind zwar von den Fähigkeiten Peter Spuhlers überzeugt. Aber aktuell spürt auch Stadler die Folgen der Pandemie – einige Liefer- und Produktionsketten sind dem Vernehmen nach unterbrochen, womit sich Aufträge verzögern. Zudem gäbe Probleme bei der Rechnungsstellung, da Kunden und Mitarbeiter nur beschränkt reisen könnten. Eine Erklärung, die uns nicht gänzlich überzeugt – bisher haben wir von keinem Unternehmen gehört, dass die eingeschränkte Reisetätigkeit zu grösseren Problemen geführt habe. Hinzu kommt, dass der Umsatz im Bereich Service und Komponenten sinkt. Die ausgedünnten Fahrpläne im ÖV sind diesbezüglich die Hauptschuldigen. Es wundert uns also nicht, dass Stadler Rail seine Jahresprognose jüngst komplett aufgehoben hat. Grössere Unsicherheit besteht unseres Erachtens dahingehend, dass die aktuelle Gesundheitskrise zu einer nachhaltigen Wende in der Mobilität führen wird. Aus Angst, sich mit Sars-Cov-2 in Zügen zu infizieren, könnten in Zukunft wieder mehr Menschen auf das Auto oder Fahrrad zurückgreifen, um zur Arbeit zu fahren, Geschäftstermine wahrzunehmen oder Ausflüge mit der Familie zu machen. Im Moment registrieren wir – so zumindest unser subjektiver Eindruck – dass weniger Menschen den ÖV benutzen als vor der Krise. Vor diesem Hintergrund erachten wir die gegenwärtigen Konsensprognosen als deutlich zu optimistisch!
Konklusion:
Wir fürchten, dass sich das Geschäftsumfeld als Folge der Pandemie nachhaltig eintrüben könnte. Wir raten daher von Investments gegenwärtig ab.