
Während man sich beim Schweizer ABB schon wieder angriffslustig zeigt, steht beim deutschen Siemenskonzern ein turbulentes Jahr bevor. Zwar konnte der Konzern seine Jahresziele erfüllen und er blickt auf ein „herausragendes Jahr“ zurück, wie CEO Joe Kaeser sagte. Doch beim Blick auf das neue Geschäftsjahr wachsen die Unsicherheiten. Beim Kraftwerks- und beim Windgeschäft stehen nach einer schwachen Entwicklung in den letzten Monaten massive Restrukturierungen an. Auf dem Handelsparkett wird derzeit darüber spekuliert, dass Siemens bis zu 10‘000 Mitarbeiter in diesen beiden Bereichen freistellen wird. Vor allem auf politischer Ebene wird dies – im Fall der Fälle – für reichlich kontroversen Gesprächsstoff sorgen. Siemens habe „strukturelle Aufgaben zu bewältigen“, wie Kaeser sagte. Kapazitäten müssen angepasst und zugleich der Konzern verstärkt auf innovative Zukunftstechnologien ausgerichtet werden. Der deutsche Mischkonzern steht vor einem tiefgreifenden Umbau. Die Zeit der klassischen Konglomerate ist abgelaufen. CEO Kaeser sucht derzeit eine neue Unternehmensform, um den Multi agiler zu machen. Wahrscheinlich wird es in Richtung einer Holding-Struktur gehen – zumindest deutet sich dies derzeit an. Das Windkraftgeschäft kam über die Fusion mit Gamesa eigenständig an die Börse. Ein ähnliches Modell ist für die Bahnfusion mit Alstom geplant. Zudem soll im kommenden Jahr die Medizinaltechnik unter dem Namen Healthineers an die Börse. Damit sollen die einzelnen Sparten mehr Freiheit erhalten, um agiler auf das jeweilige Umfeld reagieren zu können. Zugleich birgt die losere Kontrolle durch die Konzernzentrale in München aber auch Risiken, wie Siemens Gamesa dieses Jahr zeigt. Der Windkraftkonzern musste nach der Fusion gleich zweimal die Prognosen nach unten korrigieren.
Welche Strategie das Siemens-Management genau verfolgt, lässt sich derzeit nur erahnen. Einen tieferen Einblick erwarten wir im Lauf des Jahres 2018 – dann will CEO Joe Kaeser eine neue Strategie für die Jahre nach 2020 vorstellen. Denn die vor drei Jahren bei Kaesers Amtsantritt definierten Ziele in der „Vision 2020“ sind mittlerweile erreicht oder stehen zumindest auf einem belastungsfähigen Fundament. Angesichts der vielen Baustellen im Konzern ist die Visibilität für das kommende Geschäftsjahr gering. Siemens selbst sieht einen leicht wachsenden bereinigten Umsatz. Die operative Umsatzrendite im industriellen Geschäft soll zwischen 11% bis 12% liegen (Geschäftsjahr 2016/17: 11.2%).
Konklusion:
Siemens steht im Jahr 2018 vor grossen Herausforderungen, die die Visibilität deutlich trüben. Angesichts dessen stufen wir die Aktie auf „Halten“ zurück. Wir sind jedoch zuversichtlich, dass Siemens die Aufgaben meistern wird. Investierte Anleger bleiben bei Siemens am Ball.