Beim Siemens-Konzern läuft es derzeit rund: Im Januar dieses Jahres konnte Konzernchef Joe Kaeser die Prognose anheben und vor wenigen Wochen folgten dann abermals sehr ansprechende Quartalszahlen. Ruhe herrscht im Konzern dennoch nicht. Kaeser will den Konzern fit für die Zukunft machen und in Richtung eines digitalen Industrieunternehmens trimmen. Zuletzt kündigte die Konzernspitze an, faktisch rund 1‘700 Stellen zu streichen – vor allem in der IT, aber auch in der digitalen Fabrik und in der Zugsparte. Was scheinbar nach einer Diskrepanz zwischen Anspruch und Wirklichkeit aussieht – von der digitalen Zukunft zu reden und gleichwohl massenhaft Stellen in diesem Bereich zu streichen – ist eine logische Konsequenz des Wandels (Stichwort: Industrie 4.0). Denn eine schlanke, effiziente und schlagkräftige IT spielt eine Schlüsselrolle beim Wandel – Prozesse sollen automatisiert werden und der Personaleinsatz möglichst gering gehalten werden. Zugleich werden traditionelle Geschäfte, wie zum Beispiel die Zugsparte, zurückgefahren. Vor allem die starke Konkurrenz aus Fernost, genauer gesagt aus China, zwingt Siemens dazu, diese Bereiche zu redimensionieren. Am Markt halten sich zudem weiter Spekulationen über eine Zusammenlegung der Sparte mit Bombardier. Einen weiteren Schritt in Richtung Zukunft hat der Konzern zudem mit der Gründung der Siemens Middle East Holding GmbH & Co KG, über die der Konzern künftig Beteiligungen im Mittleren Osten eingehen will. Auch wenn dieses Geschäft noch in den Kinderschuhen steckt, dürfte Siemens nicht ohne Hintergedanken ein solches Projekt aufgleisen. Denn der gesamte arabische Raum forciert den Umbau der Wirtschaft – in wenigen Jahren soll sich die Region als Gegengewicht zum Silicon Valley entwickeln. In Dubai ist beispielsweise die Dubai Silicon Oasis aus dem Boden gestampft worden. Eine sieben Quadratkilometer grosse Technologieoase mit Steuervorteilen und modernem Glasfasernetz. Ein strategischer Schritt von Siemens, dessen Potenzial sich mitunter aber erst in ein paar Jahren eröffnen wird. Aus unserer Sicht wesentlich wichtiger wird die Rolle von Siemens im Bereich der Elektrofahrzeuge. Nach Schätzungen der UBS sollen diese bis 2025 einen Anteil von 14% der globalen und 30% der europäischen Autoverkäufe ausmachen. Siemens dürfte dabei A) von der steigenden Nachfrage nach Powertrain-Parts, B) von den milliardenschweren Investitionen der Autohersteller (über die Digital Factory) und C) von dem absolut notwendigen Ausbau von Ladestationen weltweit profitieren. Allein der Ausbau des Ladenetzes dürfte in Europa Investitionen in Höhe von gut EUR 15 Milliarden in den kommenden gut acht Jahren nötig machen (weltweit: USD 40 Milliarden).
Konklusion:
Siemens ist für die Zukunft sehr gut gerüstet. Die Organsisation wird gestrafft und Geschäftsfelder den neuen Herausforderungen angepasst. Dies spiegelt sich nur unzureichend im Aktienkurs wider.