
Unser Depotwert hat mit seinen Zahlen für das zweite Geschäftsquartal 2016/17 die Erwartungen der Analysten übertroffen und damit das profitable Wachstum der vorangegangenen fünf Quartale fortgesetzt. Der Konzernumsatz stieg auf vergleichbarer Basis um 6% auf EUR 20.2 Milliarden. Unter dem Strich blieb ein den Aktionären verbleibender Gewinn von EUR 1.458 Milliarden, was aufgrund höherer Steueraufwendungen nur ein vergleichbar geringes Plus von 0.4% gegenüber dem Vorjahr entspricht.
Positiv ragten zugleich die Ebit-Margen-Entwicklung im Industriegeschäft sowie der Auftragseingang heraus. Ersteres verbesserte sich auf 12.1%, was über dem Zielkorridor von 11% bis 12% lag. Dies kam allerdings nur durch die Neubewertung von ausländischen Pensionsplänen zustande, wodurch ein Sonderertrag von EUR 138 Millionen generiert wurde. Der Auftragseingang stieg im Vergleich zum Vorjahr um 2%, obwohl der Konzern vor Jahresfrist einen milliardenschweren Grossauftrag für Kraftwerke in Ägypten verbucht hatte. Analysten hatten mit einem Rückgang des Auftragseingangs um bis zu 4% gerechnet. Die Book-to-bill-Ratio deutet mit 1.12% auf ein starkes künftiges Wachstum hin. Für das Gesamtjahr bleibt der Konzern trotz der gut laufenden Geschäfte nur verhalten optimistisch – nach den guten Zahlen für das erste Quartal hatte Siemens die Jahresprognosen zuletzt erhöht. Immerhin traut sich der Konzern nun zu, die Integrationskosten für die milliardenschwere Übernahme des Softwareherstellers Mentor Graphics sowie das mit Gamesa zusammengelegte Windkraftgeschäft schultern zu können, ohne dabei die Prognosen nach unten revidieren zu müssen. Unter dem Strich könnte die Integration bis zu einem halben Prozentpunkt bei der operativen Marge kosten und den Konzerngewinn je Aktie um bis zu EUR 0.60 drücken. Beim Konzerngewinn werden EUR 6.5 Milliarden angepeilt. Wir gehen jedoch davon aus, dass Siemens in den kommenden Monaten noch mit einigen kurstreibenden Nachrichten aufwarten kann. Einerseits hält sich in den Handelsräumen die Spekulation, dass die Gespräche mit Bombardier über eine Zusammenlegung der Zugsparten weit fortgeschritten und ein positiver Abschluss wahrscheinlich seien. Damit könnten sich beide Konzerne vor allem im Wettbewerb gegen den chinesischen Giganten CRRC rüsten. Andererseits rechnen viele Marktteilnehmer zugleich mittelfristig mit einer Abspaltung (Börsengang) der ertragsstarken Medizintechnik-Sparte.
Auch wenn die Aktie bereits gut gelaufen ist, hat sie aus unserer Sicht noch Luft nach oben. Zum einen ist das Papier mit einem KGV 2018 von unter 16 noch vergleichsweise günstig gepreist. ABB wird beispielsweise mit 17.5 gehandelt. Zum anderen könnten konkrete Pläne zu einer Bombardier-Fusion und dem IPO der Medizintechnik-Sparte der Aktie nochmals Rückenwind geben.
Konklusion:
Der Konzernumbau trägt Früchte. Wir erhöhen unser Kursziel auf EUR 150. Einerseits erscheinen uns die Prognosen zu konservativ. Andererseits rechnen wir mit kurstreibenden Nachrichten.